Angeblich Knie in Unterleib gestoßen / Verfahren trotz Zeugen eingestellt

Stress im Hausflur: Vermieter und Mieter vor Gericht

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So richtig konnte vor dem Amtsgericht kein Licht ins Dunkel der Vorfälle in einem Hausflur gebracht werden.

Uelzen. Nach drei Zeugen hatte Amtsrichter Tore Larsen genug gehört. Die weiteren Zeugen vorm Sitzungssaal konnten sich ihr Formular für ihre Auslagen am Richtertisch abholen.

Da hatte der Jurist das Verfahren wegen Körperverletzung gegen Zahlung von 250 Euro an die Jugendgerichtshilfe eingestellt. So richtig Licht ins Dunkel des Vorfalls vom 11. Oktober vergangenen Jahres in einem Hausflur an der Straße Neu Ripdorf hätten sie vermutlich auch nicht gebracht.

Der Angeklagte (55) bestritt, dem 39-Jährigen sein Knie in den Genitalbereich gerammt zu haben. Das jedoch wollen die gehörten Zeugen gesehen haben. Bemerkenswert: Vermeintliches Opfer und Angeklagten verbindet nach wie vor ein Mietvertrag für eine Wohnung. Der angeklagte Uelzener habe seinen Mieter im Hausflur nur zur Rede stellen wollen. „Dreimal habe ich versucht eine Mieterhöhung durchzusetzen“, berichtete er. Dass er Mietschulden habe, darauf wollte er den Hausbewohner aufmerksam machen. Nase an Nase habe man sich gegenübergestanden – das räumte der Hauseigentümer ein.

Schließlich soll er ihn an der Schulter gepackt und dann das Knie in den Unterleib gerammt haben, so alle drei Zeugen, inklusive vermeintliches Opfer, unisono.

Richter Larsen hatte so seine Zweifel, ob die Zeugen das alles aus ihrem jeweiligen Blickwinkel im Hausflur gesehen haben, wollte die Richtigkeit ihrer Aussagen aber auch nicht völlig anzweifeln. Diverse Fotos des Flurs schauten sich die Prozessbeteiligten an. Schließlich hatte er noch den Befund des Uelzener Klinikums in den Akten. Dort diagnostizierte man eine Hodenprellung.

Dass es im Verhältnis zwischen Mieter und Vermieter wohl heftig geknirscht haben muss, machten die unbestrittenen Äußerungen des 39-Jährigen deutlich. Er berichtete von einem ähnlichen Vorfall ein paar Wochen vor den angeklagten Ereignissen. „Seitdem habe ich Angst das Haus zu betreten.“ Er rufe meist eine der befragten Zeuginnen (Mutter oder Tochter) an, ehe er das Haus betrete. Die passten im Flur auf, ob er sicher in seine Wohnung gelange.

Auch sei öfter mal der Strom in seiner Wohnung weg gewesen und er habe dann die Sicherung im Kasten im Hausflur wieder reindrehen müssen. Wie am besagten Tag, als er dort von seinem Vermieter abgepasst wurde. Ob der die Sicherungen rausgedreht hatte, wurde im Prozess nicht geklärt. Unterstellen wollte das dem Vermieter vor Gericht auch niemand.

Von Jens Schopp

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