Baubeginn ab sofort möglich / Eigentümerin stellt Forderung an Archäologen

Streit um das Café Harder

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Um das Grundstück vom Café Harder entwickelt sich ein Rechtsstreit.

Uelzen. Das Grundstück vom ehemaligen Café Harder an der Veerßer Straße könnte ab sofort bebaut werden.

Die Baugenehmigung wurde vor rund vier Wochen erteilt, das Bau-Unternehmen warte auf den Startschuss und auch eine Textilkette habe Interesse am Einzug signalisiert, erklärt Friedrich Kynder, Berater und Ehemann der Grundstückseigentümerin Renate Kynder-Gräfin von Walderdorff, aus Berlin. Ein Neubau mit Ladenräumen auf 360 Quadratmetern ist fertig geplant, im ersten und zweiten Stock sollen Wohnungen entstehen. „Nur sind da leider sehr viele Hemmnisse gewesen“, räumt er ein und stellt zunächst Forderungen an Ärchäologen, die auf dem Grundstück tätig waren – und die darauf mit Erstaunen und Unverständnis reagieren.

Vor vier Jahren habe Kynders Frau den ersten Bauantrag eingereicht. Eine Verzögerung habe sich dadurch ergeben, dass die Eigentümerin sich mit den Besitzern des anliegenden Parkplatzes nicht einigen konnte: Das neue Gebäude solle bis an die Grenze des Parkplatzes gebaut werden, da das Grundstück ohnehin nur maximal eine Breite von 8,90 Metern und eine Länge von 48 Metern habe.

Und was Kynder noch mehr verärgert: In diesem Jahr sei eine weitere Verzögerung durch archäologische Grabungen entstanden. „Das hat uns insgesamt ein Dreivierteljahr gekostet“, kritisiert Kynder, der nicht verstehen kann, warum die Grabungen ausgerechnet dann durchgeführt werden, wenn er mit dem Bau beginnen möchte, „zumal diese Grabungsfirma dort alles in einem unglaublichen Zustand zurückgelassen hat, da steht uns noch ein Rechtstreit bevor“.

Beim Unternehmen Archaefirm müsse in diesen Tagen ein Schreiben vom Anwalt des Ehepaares eingehen, der die Firma dazu auffordere, die Fläche wieder zu verfüllen. Archaefirm ist unterdessen überrascht über Kynders Unmut, da dieser sich seit Ende der Grabungen am 31. Mai nicht mit dem Unternehmen aus Isernhagen in Verbindung gesetzt habe, wie Geschäftsführer Tobias Poremba auf AZ-Nachfrage erklärt. Auch Stadtarchäologe Fred Mahler betont, dass das Team sich exakt an die vertraglichen Bedingungen gehalten, termingerecht die Arbeiten beendet und das Bauvorhaben keineswegs verzögert habe. Zwei Tage vor Grabungsende habe Kynder auch den Zustand des Grundstücks angesehen und „war mit allem zufrieden“, berichtet Mahler. „Wir hatten vertraglich nur die Regelung, dass der Aushub weggefahren wird. Ich fürchte, wir sollen da ein bisschen instrumentalisiert werden.“

26 000 Euro habe Kynder bereits an Archaefirm gezahlt, weitere 12 000 Euro stehen noch aus – daher stellt auch Archaefirm noch Forderungen an die Grundstücksbesitzerin. „Da werden die Kosten auch dem Eigentümer aufgebürdet, obwohl das im öffentlichen Interesse ist“, macht Kynder seinem Ärger über die gesetzliche Richtlinie Luft. „Die ganze Sache mit der Grabung finde ich ziemlich unverfroren, das Ergebnis ist mehr als kümmerlich.“ – „Wenn ich nicht grabe, vernachlässige ich mein Amt“, stellt hingegen der Stadtarchäologe Fred Mahler fest.

Doch eigentlich drängt auf dem Grundstück vom Café Harder die Zeit: „Wir müssen den Rohbau unbedingt vor dem Winter fertig haben“, erläutert Kynder. Ansonsten könnten am Nachbargebäude durch den Abriss des Cafés Feuchtigkeitsschäden entstehen, deren Kosten ebenfalls die Eigentümerin zu tragen habe. Und dass die Textilkette das Interesse verliert, befürchtet er ebenfalls. Ursprünglich sollte der Neubau zum 31. Oktober fertig sein. Jetzt hoffe Kynder, dass das Geschäft im Frühjahr 2013 eröffnen kann.

Von Diane Baatani

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