26-Jähriger auf Bewährung verurteilt: TUI-Mitarbeiter als Zeuge am Amtsgericht Uelzen

Strafe wegen unbezahlter Reisen

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Uelzen. Für die Verhandlung am Mittwoch vor dem Uelzener Schöffengericht sind extra ein Angestellter des Touristikunternehmens TUI aus Hannover und eine Mitarbeiterin von „Schauinsland-Reisen“ aus Duisburg angereist.

Sie sagten als Zeugen aus im Prozess gegen einen 26-Jährigen, der wegen unbezahlter Reisen und nicht beglichener Stornokosten sowie wegen Internetbetrugs angeklagt war. Das Urteil gegen den 26-Jährigen wich von der Forderung der Staatsanwaltschaft ab: Das Schöffengericht stufte einen Teil der betrügerischen Internetaktivitäten als gewerbsmäßig ein, die Reisen hingegen nicht. Daher entschied es sich wegen Betruges in 19 Fällen für eine zweijährige Bewährungsstrafe. Die Staatsanwaltschaft hingegen hatte drei Jahre Freiheitsstrafe gefordert.

Zwischen August 2012 und September 2013 hatte der 26-Jährige laut Anklage verschiedene Reisen in die Türkei und die Dominikanische Republik gebucht. Zum Teil habe er die Urlaube selbst angetreten, auch mit Familienangehörigen. Pro Reise sollen Kosten von bis zu 9600 Euro angefallen sein. „Wir sperren die Kunden sofort“, erklärte der Angestellte von TUI. In diesem Fall sei der junge Mann jedoch mit unterschiedlichen persönlichen Angaben aufgetreten. Bei den Buchungen über „Schauinsland“ sei das betrügerische Treiben aufgeflogen, nachdem das Unternehmen von einem Reisebüro die Information erhalten habe, dass schon Zahlungen für Buchungen des Mannes im Wert von 80 000 Euro ausgeblieben seien.

Dem Angeklagten wurde außerdem vorgeworfen, dass er über ein Internetportal Smartphones und Fernseher ersteigert, die Beträge überwiesen und nach den Lieferungen seine Überweisungen storniert habe. Zudem soll er selbst Elektronikgeräte zum Verkauf angeboten und das Geld von den Kunden einkassiert haben. Die Geräte habe er den neuen Eigentümern jedoch nie geliefert.

Der Angeklagte legte ein Geständnis ab. Er berichtete, dass er in einem Fall ein Auto gekauft und schon während des Kaufprozesses parallel online zur Versteigerung angeboten habe, dabei habe er einen Gewinn von 500 Euro eingestrichen, jedoch auch die Kaufsumme an den ursprünglichen Autobesitzer nicht bezahlt.

Hintergrund für seine Taten sei das Bedürfnis gewesen, einen Freund finanziell zu unterstützen, schilderte der 26-Jährigen unter Tränen. Als ihm das Gebaren über den Kopf gewachsen sei, habe er durch Reisen versucht, der Situation zu entfliehen. Der Angeklagte befand sich wegen dieser Vorwürfe bereits seit Oktober in Untersuchungshaft. Er gab am Mittwoch an, keine Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen. Das Urteil ist erst rechtskräftig, wenn auch die Staatsanwaltschaft nicht in Berufung geht, ansonsten müsste neu verhandelt werden.

Von Diane Baatani

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