Erster Weißstorch-Nachwuchs im Landkreis seit 1967

Storchenpaar in Suhlendorf brütet

Oetzen/Suhlendorf. Ende dieses Monats könnte es den ersten Weißstorch-Nachwuchs im Landkreis Uelzen seit 1967 geben: Das Vogelpaar, das seinen Horst auf dem Schornstein der alten Molkerei in Suhlendorf gebaut hat, brütet.

Davon ist Karl-Heinz Köhler, Vorsitzender der NABU-Kreisgruppe Uelzen, überzeugt: „Das Weibchen sitzt überwiegend fest im Nest und brütet.“ Einer der beiden Störche aus Suhlendorf trägt einen grünen Ring am Bein. Ein Indiz dafür, dass der Vogel aus Polen stammt.

In einem Gelege eines Weißstorch-Paares liegen im Durchschnitt drei bis fünf Eier. Rund 30 Tage brüten die Vögel – sowohl Männchen als auch Weibchen übernehmen die Brutpflege. In Oetzen hingegen sieht es mit Nachwuchs mau aus. „Da scheint sich nichts zu tun“, schätzt Köhler. Er befürchtet, dass die Störche nicht brüten. Das Vogelpaar zieht es vor, gemeinsam durch den Ort zu spazieren und über die Wiesen der Wipperau-Niederung zu wandern, um Futter zu suchen. Und tatsächlich: Am Dienstagmittag war das Nest der beiden Vögel leer.

Auch rund um Oetzen waren sie nicht aufzufinden. Lediglich zwei Kraniche stapften entlang der Wipperau. Störche suchen ihre Nahrung aus einem Umkreis von drei bis fünf Kilometern rund um ihren Horst. Das Nest in Oetzen bleibt dann oft leer und verlassen. Aber: „Störche sind horsttreu“, sagt Köhler. Der NABU-Vorsitzende hat deshalb die Hoffnung, dass die Weißstörche im nächsten Jahr wieder nach Oetzen zurückkehren und dann an der Lüneburger Straße brüten.

Ein Horst kann übrigens bei stetiger Wiederverwendung bis zu zwei Meter hoch werden und ein Gewicht von zwei Tonnen erreichen. Immerhin sind die Vögel von sich aus mit dem Nestbau in Oetzen und Suhlendorf aktiv geworden – und das, obwohl es im Landkreis Uelzen insgesamt 15 Nisthilfen gibt, die jedoch alle verschmäht wurden.

Einer der beiden Oetzener Störche wurde in Kalbe beringt. Die beiden Vögel gehören zum Ortsbild – auch die Tempo-30-Zone wurde inzwischen aufgehoben. Für die Brut in Suhlendorf ist laut Köhler auch die Witterung ausschlaggebend. Sind die Weißstorch-Küken erstmal geschlüpft, dann sollte es hin und wieder mal regnen, damit die Regenwürmer besser zu erbeuten sind.

Das Nest verlassen die Jungvögel erst nach rund 60 Tagen. „Das ist die erste Nahrung für die jungen Tiere, wenn sie das erste Mal selbst auf die Suche gehen“, schildert Köhler. Die Zahl der Störche in Niedersachsen hat zwar wieder zugelegt, aber die Anzahl der Jungen, die flügge werden abgenommen. Im vergangenen Jahr waren es 1,67 Junge pro Horst.

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