Uelzen: Die Hintergründe zum Rücktritt von WFG-Geschäftsführer Markus Schümann

Stolperstein Citymanager

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Markus Schümann stolperte über die Vertragsaffäre um den Citymanager.

tm Uelzen. Wer hat wen falsch informiert, wer hat wen belogen? In der Affäre um das umstrittene Vertragswerk zwischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) und Uelzener Citymanagement hat der WFG-Geschäftsführer, Markus Schümann, gestern die Konsequenzen gezogen und seinen Rücktritt verkündet.

Er hatte zuvor in einer Pressemitteilung am Mittwochabend eingeräumt, dem WFG-Aufsichtsrat die falsche Auskunft gegeben zu haben, durch die neuen Vertragsvereinbarungen würden keine Gläubiger benachteiligt. Tatsächlich aber gibt es zwei Gläubiger, darunter nach AZ-Informationen auch die Sparkasse Uelzen. Doch eine Frage blieb auch gestern unbeantwortet: Warum informierte Schümann den Aufsichtsrat falsch?

Rückblende: Vor drei Jahren hatte Citymanager Joachim Lotz mit seiner Schimmel Papeterie GmbH Insolvenz anmelden müssen, privat aber keine Insolvenz angemeldet. Die WFG, die den Citymanager mit 30 000 Euro jährlich aus Steuergeldern bezahlt, hatte daraufhin Lotz zum geringfügig Beschäftigten mit 450 Euro monatlich gemacht und seit Jahresbeginn 2016 den Differenzbetrag an eine Unternehmergesellschaft (UG) umgeleitet, die die Ehefrau von Lotz gegründet hatte. Die Gläubiger des Citymanagers waren somit ausgehebelt worden. Dieses Vertragsmodell, das der Aufsichtsrat abgesegnet hatte, war in der Öffentlichkeit als moralisch verwerflich kritisiert worden.

Mittwochabend zog die WFG-Geschäftsführung die Notbremse, räumte ein, die Außenwirkung falsch eingeschätzt zu haben und wollte sich am heutigen Freitag eigentlich in einer Sondersitzung vom Aufsichtsrat grünes Licht dafür geben lassen, den umstrittenen Vertrag mit der UG rückwirkend zum 1. Januar aufzulösen und die Eheleute Lotz bis 31. März 2017 gemeinsam als Citymanager sozialversicherungspflichtig zu beschäftigen. Doch der Druck wurde offenbar zu groß: Es folgte Schümanns Rücktrittsankündigung.

In der Kommunalpolitik ist man entsetzt über den Zickzack-Kurs. So verlangt die Wählergemeinschaft „WIR für Uelzen“, auch der Aufsichtsrat müsse neu besetzt werden; wegen eklatanter Fehleinschätzungen und Überforderung, aber auch wegen Interessenskonflikten, fordert die Fraktionsvorsitzende Susanne Niebuhr. So säßen Bürgermeister Jürgen Markwardt und WFG-Aufsichtsratsvorsitzender Stefan Hüdepohl (CDU) auch im Verwaltungsrat der Sparkasse Uelzen. Sie müssten sich somit im Namen der Sparkasse und als Gläubiger von Lotz dafür einsetzen, dass die WFG wegen des Vertragswerks zur Rechenschaft gezogen werde; gleichzeitig hätten sie aber im WFG-Aufsichtsrat eben jenem Vertrag ja selbst zugestimmt.

Nun wird Markus Schümann auf der heutigen Sitzung seine Ämter mit sofortiger Wirkung niederlegen. „Ich werde selbstverständlich für eine ordnungsgemäße Abwicklung und Übergabe sämtlicher Geschäfte zur Verfügung stehen“, teilte er gestern in einer Pressemitteilung mit. Doch wie es nun tatsächlich weitergeht mit der WFG und dem Citymanagement, steht seit gestern Nachmittag mehr denn je in den Sternen.

Kommentar

Das Chaos-Management

Von Thomas Mitzlaff

Thomas Mitzlaff.

So schnell kann das gehen. Vor wenigen Monaten hatte Uelzen noch einen Citymanager namens Joachim Lotz, dessen Hauptaufgabe in der Organisation von Veranstaltungen bestand. Irgendwo im Hintergrund wurde dann still und heimlich zum Jahresbeginn seine Aufwandsentschädigung in Höhe von 30 000 Euro fast in gesamter Höhe an ein juristisch offenbar durchaus strittiges Unternehmen der Ehefrau des Herrn Lotz umgeleitet. Und nachdem dieses elegante Aushebeln von Gläubigern, die Ansprüche an die Privatperson Joachim Lotz haben, bekannt wurde, gab es einen Aufschrei in der Öffentlichkeit, der die Protagonisten erst verwunderte, dann verschreckte und jetzt zum Handeln zwang. Und nun wirft der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, der dieses Modell im Aufsichtsrat durchgesetzt hatte, hin. Es gab keine Alternative. Denn abgesehen davon, dass sich die Beteiligten spätestens seit dem Vorschlag, die Verträge rückwirkend aufzulösen, auf juristisches Glatteis begeben haben und eine Bank als Gläubiger nunmehr geradezu verpflichtet scheint, rechtliche Schritte zu prüfen, verschlägt einem das Gebaren die Sprache. Eine Wirtschaftsförderungsgesellschaft, immerhin mehrheitlich eine Tochter der Hansestadt Uelzen, schleudert mit Verträgen, in denen es um Steuergelder geht, nur so um sich, Kommunalpolitiker mit Bürgermeister und Kämmerer an der Spitze nicken dieses absurde Theater im Aufsichtsrat immer fleißig ab und der Stadtrat hat ohnehin nichts mehr zu melden. Man fühlt sich wie in einem Irrenhaus. Will diese Stadt eigentlich ein Citymanagement? Und wenn ja, mit wie viel Personal? Und welche Aufgaben soll es haben? Und wer gibt einem darauf die Antworten? Ein durch die Affäre Lotz be- schädigter Bürgermeister? Ein faktisch entmündigter Stadtrat? Die beiden Kernfragen aber sind: Warum haben WFG und Citymanagement überhaupt so ein zweifelhaftes Vertragswerk konstruiert? Warum haben sich die Aufsichtsratsmitglieder einfangen lassen? Oder anders gesagt: Welche Verstrickungen gibt es da? Und wer hat gelogen? Diese Fragen müssen auch nach dem Rücktritt Schümanns aufgeklärt werden, darauf hat die Öffentlichkeit einen Anspruch. Doch wer soll das leisten? Ein Aufsichtsrat, der bislang nur als Abnick-Verein geglänzt hat, sicher nicht.

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