Firmenerben werden weiterhin geschont / Davon profitieren Handwerksbetriebe im Kreis Uelzen

Steuernachlass für Arbeitsplätze

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Uelzen/Lüneburg. Es bleibt dabei: Wer eine Firma erbt und die Arbeitsplätze erhält, wird steuerlich großzügig begünstigt. Ab Juli gelten aber engere Grenzen (AZ berichtete): Bei bis zu fünf Mitarbeitern sind Firmenerben von der Erbschaftssteuer befreit.

Kreishandwerksmeister Horst Saevecke.

Auch darüber ist dies möglich, wenn sie darlegen, dass der Betrieb die Zahlung nicht verkraften würde. Welche Folgen hat die Neuregelung für die Betriebe im Landkreis Uelzen?.

„Grundsätzlich ist das ein Stück Rechtssicherheit“, sagt Kreishandwerksmeister Horst Saevecke. Wohl die meisten der 375 Innungsbetriebe in den Landkreisen Uelzen und Lüchow-Dannenberg würden unter diese Regelung fallen. Die Befreiung von der Erbschaftssteuer sei auch richtig: „Wenn die Hürde so groß wird, dann würde es nur noch wenige geben, die die Handwerksbetriebe weiterführen.“

Die Unternehmensnachfolge ist eines der drängendsten Probleme des Handwerks. „Wir verlieren jedes Jahr zehn Prozent der Innungsbetriebe“, gibt Saevecke zu bedenken. Angesichts der Arbeitsbelastung und einer begrenzten Marge sei es für viele junge Leute nicht mehr attraktiv, einen Betrieb fortzuführen.

Kreishandwerksmeister Saevecke selbst beschäftigt 45 Mitarbeiter. „Dahinter stehen 120 Angehörige“, rechnet er vor. „Das ist eine Existenzsicherung für die Familien.“ Deshalb hat der Gesetzgeber 2009 Betriebserben großzügig von der Erbschaftssteuer freigestellt.

IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg sieht die Neuregelung, die durch ein Verfassungsgerichtsurteil 2014 notwendig wurde, kritisch: „Zwar ist es zu begrüßen, dass auch künftig kleinere und mittlere Familienunternehmen bei der Erbschaftssteuer vollständig entlastet werden“, meint IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert, doch er sieht Erbschafts- und Vermögenssteuer kritisch: „Beide Steuern reduzieren die Substanz von Unternehmen, also die Basis für künftige Investitionen und Arbeitsplätze.“ Auf viele Betriebe komme nicht nur ein großer bürokratischer Aufwand zu, sondern notwendige Finanzmittel würden weniger geschont. „Damit wird die ohnehin schon vorgesehene steuerliche Belastung bei Übertragungen von Familienunternehmen nochmals erhöht – zu Lasten des Mittelstands, Herzstück der deutschen Wirtschaft.“

Von Gerhard Sternitzke

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