Der Uelzener Sparkassen-Mitarbeiter Arthur Klauser gibt seine Fachkenntnisse Zentralasien weiter

Das Steppenschaf ersetzt das Sparschwein

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Vor einer Schule in Tadschikistan: Arthur Klauser kam vor 24 Jahren mit seinen Eltern aus Sibirien nach Deutschland. Er spricht russisch und konnte sich in den Ländern gut verständigen.

Uelzen. Die Sparbüchse in Tadschikistan ist das heimische Steppenschaf und heißt Marco Polo. Auch das war für Arthur Klauser neu, als er für die Sparkassenstiftung für internationale Kooperation in Tadschikistan, Turkmenistan und Kirgisistan unterwegs war.

Das Steppenschaf ist das Sparschwein Zentralasiens.

„Das sind alles muslimische Staaten. Da wird niemand auf die Idee kommen, sich ein Sparschwein auf die Kommode zu stellen“, sagt der Firmenkundenberater der Sparkasse Uelzen/Lüchow-Dannenberg. Im Mai und Juni erklärte er in Zentralasien Schulkindern das kleine Einmaleins des Geldgeschäfts, schulte aber auch Berufskollegen in Fragen des Agrar-Kreditgeschäfts. „Das ganze System ist längst nicht so weit wie bei uns“, berichtet der 28-Jährige. Auf Vorschlag des Uelzener Kreditinstitutes bewarb er sich bei der Stiftung. Die Organisation macht die Erfahrungen der deutschen Sparkassen in Entwicklungs- und Transformationsländern verfügbar. Mit dem Zusammenbruch der UdSSR seien in den ehemaligen Sowjetrepubliken wie Tadschikistan und Kirgisistan auch die Banken kollabiert. Die meisten Leute hätten ihr Erspartes verloren. „Ein Großteil der Bevölkerung misstraut bis heute den Banken und spart unter der Matratze“, sagt Klauser. Vertrauen aufzubauen sei eine seiner Aufgaben gewesen. Beispielsweise durch Vorträge in Schulen oder bei der Fortbildung von Lehrern, die wiederum ihre Kollegen weiterbilden. „Ich habe versucht klar zu machen, warum sich sparen lohnt.“

In Kirgisistan schulte Arthur Klauser Bankmitarbeiter in Sachen Agrar-Kreditgeschäfte.

In Turkmenistan war Klauser in Sachen Agrar-Kreditwirtschaft unterwegs. So wie in seinem angestammten Tagesgeschäft bei der Sparkasse in Uelzen, die ihn dankenswerterweise zwei Monate freistellte, wie er sagt. „Das Land hat auf Grund von Öl- und Gasvorkommen Geld, aber es will jetzt die Landwirtschaft voranbringen“, weiß Arthur Klauser. Obwohl die Menschen einigermaßen arm seien, habe er den Eindruck gehabt, sie seien glücklich. „Vor allem sind sie sehr offen, nett und ungeheuer gastfreundlich.“ Wenn er manchmal abends von einheimischen Mitarbeitern nach Hause eingeladen worden sei, wäre aufgetischt worden, was die Speisekammer hergab. Vor allem Fleisch in Form von Schaschliks werde in Zentralasien gerne gegessen, sagt Klauser.

Sollte er noch einmal die Gelegenheit haben, beruflich dorthin reisen zu können, er würde sofort zusagen. „Man sieht manche Dinge jetzt doch aus einem anderen Blickwinkel.“ Er habe gemerkt, wie gut es einem hier gehe. Ein Beispiel: Krankenversicherungen wie im Westen gebe es dort nicht. Wer erkrankt, braucht Geld, damit er von einem Arzt behandelt wird.

Übrigens: Das Projekt der Sparkassenstiftung heißt „Raus der Wohfühlzone“. Das bekam Klauser bei seiner Ankunft in Kirgisistan gleich zu spüren. Ein Fahrer holte ihn in der Nacht vom Flughafen ab. Stundenlang ging es im Stockdunklen über eine Schotterpiste. Das Licht am Auto funktionierte nicht.

Von Jens Schopp

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