Modellprojekt für Gesundheit in Georgsanstalt: Lehrern gefällt’s, Jugendliche haben es satt

22 Stehpulte und viel Schülerfrust

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Unterricht im Stehen: Was Pädagogen und der Chefarzt der Orthopädie im Uelzener Krankenhaus aus gesundheitlichen Gründen für sehr sinnvoll halten, sorgt bei den Schülern des neuen ersten Lehrjahres der Landwirte für jede Menge Frust.

Uelzen. 22 Stehpulte sorgen für Diskussionen an den Berufsbildenden Schulen II (Georgsanstalt) an der Esterholzer Straße in Uelzen. Im vergangenen Jahr hat die Berufsschule einen Modellversuch gestartet.

Die angehenden Landwirte im ersten Lehrjahr der Berufsfachschule für Agrarwirtschaft bekamen die Pulte und folgten dem Unterricht fortan im Stehen.

Grund: Die Tätigkeit eines Landwirtes ist vielfach Gift für den Rücken. Langes Sitzen sei insofern nicht unbedingt zuträglich für Wirbel und Bandscheiben. BBS-II-Abteilungsleiter Joachim Meyer habe sich eingehend mit der Thematik beschäftigt und die Anschaffung der Stehpulte angestoßen, berichtet Andreas Grunert, Direktor der Georgsanstalt in Uelzen und Ebstorf. Alles sei in Abstimmung mit den betroffenen Schülern und dem Schulträger (Landkreis Uelzen) geschehen.

Gekoppelt wurde der Unterricht im Stehen mit einer Rückenschule und auch im Unterricht können und sollen sich die Jugendlichen bewegen, so Grunert. „Die Schüler stehen ja nicht acht Stunden am Stück. Wir haben unseren Versuchsgarten, in dem wir arbeiten. Auch dort bewegen sich die Schüler“, so Nadine Steiner, Lehrerin der Klasse für Agrarwirtschaft.

Das ist notwendig, sagt Dr. Ralf Reimer, Chefarzt der Orthopädie im Uelzener Helios-Klinikum: „Wichtig ist, beim Stehen immer in Bewegung zu bleiben. Das spricht die Muskulatur an und fördert den Kreislauf. Konzentration und das Denkvermögen profitieren davon.“ Das Projekt sei ein sehr guter Ansatz. Stehen sei die natürliche Haltung des Menschen, so der Mediziner weiter.

Auch die Klasse des neuen ersten Lehrjahres der Landwirte steht im Unterricht. Die Rückenschule soll im Oktober beginnen. Doch die Jugendlichen sind des Stehens einen Monat nach Berufsschul-Beginn überdrüssig. „Die Klasse ist unzufrieden, weil es sehr anstrengend ist“, sagen die Klassensprecher Philipp Hoffmann und Marcel Frick (beide 17). Grundsätzlich dürfe man sich auch setzen, aber nicht bei jedem Lehrer, klagen sie. Nach dem Schultag müsse man sich Zuhause erst einmal hinlegen, weil Beine und Waden schmerzten. Auch sei das Projekt mit ihnen nicht abgesprochen gewesen, so die beiden Sprecher. Lediglich mit dem Jahrgang über ihnen. Lehrerin Nadine Steiner hofft, dass mit Start der Rückenschule der Frust nachlässt. Direktor Andreas Grunert möchte das Projekt nicht nur fortführen, sondern ausbauen: „Die Klassen aus dem Gartenbau und der Pflege haben gefragt, ob sie ebenfalls Stehpulte bekommen können.“

Von Jens Schopp

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