Pflegebereich baut auf Mitarbeiter aus anderen Ländern: Heimweh und Sprache als Hürde

Starthilfe für ausländische Kräfte

+
Es wird für Pflegeeinrichtungen immer schwieriger, Mitarbeiter zu bekommen. Deshalb werden zukünftig auch im Landkreis Uelzen Einrichtungen auf ausländische Kräfte zurückgreifen, die aber in ihrer neuen Heimat erstmal Fuß fassen müssen.

Uelzen/Landkreis. Pflegeheime, ambulante Dienste und Wohlfahrtsträger aus dem Landkreis Uelzen wollen gemeinsam für die Zukunft vorsorgen.

Der bereits im Pflegebereich deutlich zu spürende Fachkräftemangel in der Region mache es erforderlich, dass zukünftig Mitarbeiter aus dem Ausland angeworben werden müssen, erklärt Stefan Müller-Teusler, Geschäftsführer des Paritätischen Uelzen. Um den Arbeitskräften dann den Start im Landkreis Uelzen zu erleichtern und damit auch sicherzustellen, dass die Mitarbeiter den Einrichtungen erhalten bleiben, werde ein sogenanntes Welcome-Center geplant. Das Center, gemeinsam getragen von Einrichtungen und Diensten, könnte den Pflegebetrieben anfallende Aufgaben im Bezug auf ihre ausländischen Mitarbeiter abnehmen. So solle es eine zentrale Anlaufstelle sein, eine Willkommens-Plattform darstellen und Kontakte der Mitarbeiter untereinander vermitteln und die Mitarbeiter zu den richtigen Behörden lotsen. „Grundvoraussetzungen, damit ausländische Mitarbeiter Fuß fassen“, so Müller-Teusler gegenüber der AZ.

Bereits erste Erfahrungen mit ausländischen Fachkräften gesammelt hat die Senioren-Residenz in Uelzen. Anfang 2013 stellte Leiterin Meike Jürs zwei Spanierinnen ein, Anfang 2014 einen rumänischen Mitarbeiter. Dazu hatte sie eine Vermittlungsagentur aus Bayern in Anspruch genommen.

Von den beiden spanischen Kräften sei nur noch eine im Pflegeheim tätig. „Die zweite ist noch vor Ablauf der Probezeit wegen Heimweh in ihre Heimat zurückgekehrt“, so Jürs. Das Beispiel zeige, wie wichtig es sei, dass die Angestellten in ihrer neuen Umgebung schnell Kontakte knüpfen könnten. Es wäre eine Aufgabe, bei der das Welcome-Center helfen könnte.

Aber auch aus anderen Gründen sei eine solche Hilfestellung wie das Welcome-Center von nöten, sagt Jürs. Die im Ausland erworbenen Abschlüsse von Mitarbeitern würden in Deutschland nur dann anerkannt, wenn ausreichend sprachliche Kenntnisse vorhanden und diese durch Prüfungen belegt seien. Mit dem Welcome-Center, so Müller-Teusler, ließen sich Sprachklassen vor Ort realisieren und die ausländischen Kräfte müssten nicht in Nachbarlandkreise fahren.

Die Idee zum Welcome-Center wird vom Pflegenetzwerk, einem Zusammenschluss von Pflegeeinrichtungen und ambulanten Diensten (AZ berichtete) – vorangetrieben. In der vergangenen Woche hatte das Netzwerk dazu auch zu einer Tagung eingeladen, zu der 20 Heime und Dienste sowie die Agentur für Arbeit und die Wirtschaftsförderung Uelzen aktiv teilnahmen. Dabei verwies Marlies Kämpfer von der Wirtschaftsförderung darauf, dass 25 Prozent aller Beschäftigungsverhältnisse im Landkreis im Sozial- und Gesundheitsbereich angesiedelt seien. Bundesweit seien es nur 15 Prozent.

Von Norman Reuter

Kommentare