„Stars gibt es nicht im Supermarkt“

Gänsehautatmosphäre Samstagabend auf dem Albrecht-Thaer-Gelände: Es kamen 1500 Besucher zu wenig.

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. Beim Open Air vergangenen Sonnabend auf dem Albrecht-Thaer-Gelände war noch nicht einmal Einlass, da zog Ulrich Gustävel bereits die Fäden für das Festival 2011. „Wir halten schon seit Wochen Ausschau nach einem Zugpferd fürs nächste Jahr“, schildert gestern der Cheforganisator.

Eine Aufgabe, die Monate dauert. Unzählige Telefonate müssen geführt, Kontakte gepflegt werden. 8500 Zuschauer hatten Sonnabend den Auftritt der Fantastischen Vier & Co verfolgt, 10 000 hätten die Veranstalter gebraucht, um keine Verluste einzufahren. Und hinterher wurden prompt die ersten Stimmen laut, warum denn nicht Stars wie Marius Müller-Westernhagen oder ACDC geholt worden waren.

„Wenn das so einfach wäre, würden wir das liebend gerne tun. Aber Künstler kauft man nicht ein wie im Supermarkt“, sagt Gustävel. Die Stars zögen natürlich die städtischen Metropolen und die A-Festivals wie „Rock am Ring“ vor. „Wenn man die überzeugen will, dass sie nach Uelzen kommen sollen, muss man dieses Festival erst mit den Jahren etablieren und viele, viele Kontakte pflegen“, sagt der Cheforganisator.

Dass er mit dem Uelzener Open R auf gutem Wege ist, zeigt ihm die Resonanz von Agenten, Künstlern und auch Fachpresse. „Die Geschichte des Uelzen Open R ist mit drei Jahren zwar eher überschaubar, liest sich aber trotzdem wie eine Enzyklopädie der nationalen Musikszene“, schreibt etwa die Szenezeitschrift „musix“ in ihrer jüngsten Ausgabe und verweist auf die Auftritte der Ärzte, Amy Macdonald oder den Sportfreunden Stiller.

Doch bis man sich national als Festivalstandort einen Namen gemacht hat, ist es ein steiniger und für die Organisatoren auch teurer Weg. Sechsstellig rote Zahlen schrieben die Open R 2009 und 2010 „und wir werden uns in den nächsten Wochen natürlich intensiv Gedanken über das Konzept machen“, sagt Gustävel. Man habe auch schon mit ganz großen Namen verhandelt, bei der Auswahl aber stets darauf Wert gelegt, „ein junges, frisches und aktuelles Programm zu machen; wir wollen nicht alte Bands rauskramen“.

Man plane mit mindestens sechs Bands, um den Charakter eines Festivals zu wahren – und vielleicht sei es auch der richtige Weg, das noch stärker herauszuarbeiten, so Gustävel: „Wir denken darüber nach, die Veranstaltung auf zwei Tage auszuweiten, um auch das eigentliche Festivalpublikum anzusprechen, für das Campen und Spaß haben einfach dazugehört.“

Von Jahr zu Jahr werde es etwas einfacher, die ganz großen Namen zu bekommen und mittlerweile gibt es auch immer mehr Sponsoren: „Das ist wie ein Schneeballsystem“, sagt der Veranstalter.

Das Open R sei auch ein nicht zu unterschätzender Werbefaktor für Uelzen, betont Gustävel: „Immerhin hatten wir hier in drei Jahren 50 000 Besucher.“ Er würde sich freuen, wenn die Stadt diesen Umstand zu schätzen wisse, „da gibt es ja die verschiedensten Möglichkeiten der Unterstützung“.

Die Stadt signalisiert derweil „großes Interesse, dass sich das Uelzen Open R als norddeutsches Ereignis etabliert“, betonte gestern Uelzens Bürgermeister Otto Lukat. Man wolle sich da einbringen, die Zusage von finanziellen Beteiligungen sei aber vorschnell: „Man muss gucken, was fehlt.“ Das Gelände sei ein „hervorragender Platz, der nach weiteren Veranstaltungen schreit, wenn es es das Publikumsinteresse hergibt“.

Kommentare