Mensch 2013: Marie, Vanessa und Johannes helfen kleinem Jungen

Starkes Trio wird zum Retterteam

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Marie Carstens (von oben), Vanessa Klipp und Johannes Cygan haben im richtigen Augenblick überlegt gehandelt.

Wichtenbeck. Es war einer der wenigen sonnigen Tage im vergangenen Sommer und damit war Badewetter angesagt. Auch im ehrenamtlich geführten Freibad in Wichtenbeck.

Vanessa Klipp (10) und Marie Carstens (11) sind gern hier in ihrem dörflichen Wasserbecken, nutzen ihre Jahreskarten aus. „Mich stören hier eigentlich nur die fiesen Bremsen“, ist Marie wenig amüsiert über die lästigen Stechinsekten. Ansonsten haben beide nichts an dem Freibad auszusetzen, auch wenn es unbeheizt ist. „Schwimmen können wir schon seit der dritten Klasse“, winken die beiden HEG-Schülerinnen ab, die das Schwimmabzeichen in Silber besitzen.

Auch Johannes Cygan aus Eimke ist an jenem sonnigen Tag im Freibad. Sein Freund Philip hat ihn zum Baden eingeladen. „Damals konnte ich noch nicht schwimmen“, sagt der Achtjährige, der die 2. Klasse der Grundschule Gerdau besucht. „Aber jetzt habe ich schon das Seepferdchen“, fügt er nicht ohne Stolz hinzu.

Ja, damals. An diesem Tag im Sommer führte ein Ereignis die drei Kinder zusammen. Gemeinsam retteten sie einem weiteren kleinen Kind das Leben. Für ihre Umsichtigkeit und ihren Einsatz wurden sie in den Kreis der Nominierten für „Mensch 2013“ gewählt – eine Aktion der AZ und der Sparkasse Uelzen/Lüchow-Dannenberg mit dem Volkswagen Zentrum Uelzen.

Ein weiterer Freund von Johannes sprang beim Fangenspielen ins tiefere Schwimmerbecken. Einen Halt fand der Kleine nicht, das Wasser war einfach zu tief. Die beiden Freundinnen Vanessa und Marie, die auch zusammen in der JSG Gerdautal Fußball spielen, standen zufällig am Beckenrand und bemerkten, dass der Junge im Becken nach Luft rang und offensichtlich nicht schwimmen konnte.

Auch Johannes erkannte, dass hier etwas nicht stimmt und rannte sofort los. „Eigentlich habe ich ja nur die Mutter geholt“, gibt sich der kleine Eimker bescheiden und stellt sich ein wenig in den Hintergrund, obwohl er jetzt auch weiß, dass ein zu rechter Zeit abgesetzter Notruf oder die schnelle Hilfebeiholung auch die Tat eines Helden ist. Manch einer hätte nur mit offenem Mund dagestanden und die Szenerie teilnahmslos beobachtet. Der ehemalige Nichtschwimmer Johannes tat in jenem Augenblick genau das Richtige.

Wie auch Vanessa und Marie. Die sprangen ins Wasser, schwammen zu dem nach Luft schnappenden Jungen, zogen ihn zum Beckenrand und hoben ihn aus dem Wasser. Das alles ging sehr schnell, zum Überlegen gab es nicht viel Zeit. Und dem kleinen Jungen ging es nach den tröstenden Worten der dankbaren Mutter auch bald wieder besser.

Vergessen haben die jungen Lebensretter diesen Tag nicht. „Das war schon Aufregung pur“, sagen sie und würden jederzeit wieder so handeln. Und wie sie es erzählen, ist es nicht nur eine Floskel. Sie würden es tatsächlich wieder so tun, alle drei. Und wahrscheinlich würden sie auch in diesem Sommer im Wichtenbecker Freibad instinktiv immer ein Auge werfen auf kleine Kinder im großen Becken.

Von Ulrich Bleuel

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