Stagnation statt Steigerung

Stadtwerke-Tochter SBE hat bei der Rapsernte in der Ukraine Ertragsziel verfehlt.

Uelzen/Lviv - Von Thomas Mitzlaff. Wochenlang hielt die SBE Holding GmbH Zahlen zur Ernte 2010 in der Ukraine unter Verschluss, jetzt hat das Unternehmen in einem anwaltlichen Schreiben erstmals das Ernteergebnis beim Raps mitgeteilt: 2,6 Tonnen je Hektar seien durchschnittlich geerntet worden – damit wurde das Vorjahresergebnis wiederholt und das Ziel einer 30-prozentigen Ertragssteigerung deutlich verfehlt.

Noch im Februar hatte die SBE, an der die Stadtwerke Uelzen eine Aufstockung ihrer Anteile auf 50 Prozent beschlossen haben, bei einem Pressetermin in den Räumen der Uelzener Stadtwerke verkündet, das umstrittene Landwirtschaftsprojekt mit erheblichen Ertragssteigerungen aus den roten Zahlen bringen zu wollen; die Geschäftsführer Falk-Wilhelm Schulz und Claus Lang hatten als Ertragsziel für den Raps 3,3 Tonnen pro Hektar genannt.

Sogar 3,35 Tonnen pro Hektar Ernte prognostizierte ein Gutachten, das die SBE Anfang des Jahres dem Aufsichtsrat der Stadtwerke präsentierte, um Zweifel an dem umstrittenen Projekt auszuräumen. Die Expertise war unter anderem vom renommierten Ukraine-Experten Professor Dr. Rolf Kuchenbuch harsch kritisiert worden. Der Direktor der Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt Rostock hatte die Datenlage, auf deren Grundlage das Gutachten erstellt worden war, als „extrem dünn“ bezeichnet und kritisiert, dass in dem Papier „viel mit Annahmen“ gearbeitet worden sei.

Das 20-seitige Gutachten prognostiziert bis zum Jahr 2020 alljährlich Ertragssteigerungen, beim Raps für 2011 schon 3,73 Tonnen je Hektar, 2012 sollen es 4,06 Hektar sein. Kuchenbuch kritisierte, dass die spezifische Situation der Ukraine mit Wetterextremen nur unzureichend berücksichtigt worden sei – jetzt erwies sich die Rapsprognose schon im ersten Jahr als falsch.

Die SBE wollte am Donnerstag keine Stellung dazu nehmen, ob man an den am Jahresanfang verkündeten Ertragszielen künftig festhalten wolle. „Dazu geben wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Stellungnahme ab“, erklärt Sprecherin Marlene Odenbach. Dabei hatte Geschäftsführer Falk-Wilhelm Schulz in einem Brief vom 5. August an Uelzener Geschäftsleute und „Meinungsbildner in der Stadt“ (Odenbach) verkündet, er werde „Mitte August die Öffentlichkeit über die Ernteergebnisse informieren“. Jetzt erklärte die SBE-Sprecherin auf AZ-Nachfrage, „die Kommunikation an die Öffentlichkeit läuft voraussichtlich nächste Woche“.

Dann soll auch das Ergebnis der Weizenernte mitgeteilt werden. Dort hatte die SBE eine Ertragssteigerung von 3,7 Tonnen pro Hektar auf 4,8 Tonnen als Zielvorgabe genannt. Das umstrittene Gutachten prognostiziert beim Weizen gewaltige Zuwächse: 5,44 Tonnen in 2011, über sechs Tonnen ab 2012, über sieben Tonnen ab 2014 und 8,91 Tonnen im Jahr 2020.

Den Steuerzahlerbund Niedersachsen hatten diese Prognosen nicht überzeugt: Er fordert längst den Rückzug der Stadtwerke aus dem Ukraine-Projekt, in das das städtische Tochterunternehmen nach Angaben von Schulz bis zu 5,5 Millionen Euro investieren darf.

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