Gedenktag gegen Gewalt an Frauen / Diskussionsrunde über die Entwicklung

Ein ständiger Kampf

Im Frauenhaus ist sie sicher: Jede vierte Frau in Deutschland erlebt mindestens einmal im Leben Gewalt durch den Partner. Foto: dpa

Uelzen. „Für bestimmte Frauen ist der Zugang immer noch schwierig. “ Monne Kühn und Britta Hönig vom Uelzener Frauenhaus erleben im Alltag, dass es weiterhin viel Unterstützungsbedarf gibt. Die Zahlen der Termine in der „Beratungs- und Interventionsstelle für Frauen“ (BISS e.

V. ) steigen und die Zahl der Bewohnerinnen des Frauenhauses bleibe ständig in derselben Höhe, berichtet Frauenhaus-Leiterin Monne Kühn. Für Frauen aus der Stadt sei es noch einfacher, Hilfe im Frauenhaus zu suchen, als für Frauen auf dem Land. Morgen wird wieder weltweit der Frauen gedacht, die unter körperlicher oder psychischer Gewalt leiden. Der Verein BISS aus Uelzen/Lüchow-Dannenberg/Lüneburg organisiert anlässlich des Gedenktages für Donnerstag, 29. November, einen Fachtag zum Thema „10 Jahre Gewaltschutzgesetz“ in Uelzen.

Nach einer bundesdeutschen Studie, erläutert Britta Hönig, erlebt jede vierte Frau mindestens einmal in ihrem Leben körperliche oder sexuelle Gewalt durch ihren Partner. Von „häuslicher Gewalt“ seien Frauen unabhängig von Alter, Bildung und Einkommen betroffen. Vor zehn Jahren habe Gewalt in der Ehe noch als private Angelegenheit gegolten. Zwar sei in den siebziger Jahren schon mit Einführung von Frauenhäusern gefordert worden, dass Gewalt daheim „eine gesellschaftliche Aufgabe und nicht das individuelle Problem von Frauen“ sei, erklärt Kühn. Doch auch nach der Vorarbeit durch die Frauenhäuser habe es etwa 25 Jahre gedauert, bis das Gesetz umgesetzt und die Hilfen für betroffene Frauen optimiert wurden.

Seit Inkrafttreten des Gesetzes zum zivilrechtlichen Schutz vor Gewalttaten und Nachstellungen sowie zur Überlassung der Ehewohnung bei Trennung und Gewalt am 1. Dezember 2002 gibt es die Möglichkeit, dass Gerichte festlegen, dass nach einem Vorfall der betroffenen Ehefrau für sechs Monate die Wohnung zugewiesen wird. Parallel dazu wurde das Polizeirecht geändert, so dass seitdem Männern, die ihren Frauen oder Kindern Gewalt antun, eine sogenannte Wegweisung ausgesprochen werden kann, bis zu 14 Tage lang dürfen sie sich dann nicht in der Nähe der Wohnung aufhalten.

Monne Kühn hält es für wichtig, dass Begegnungen zwischen den Partnern in solchen Fällen vermieden werden. Doch auch ein Jahrzehnt, nachdem diese Möglichkeit eingeführt wurde, stellen Kühn und Hönig fest, dass es nicht immer reibungslos funktioniert: Da werde beispielsweise für die von Gewalt betroffene Frau eine sogenannte Wohnungszuweisung vom Familiengericht erteilt, parallel dazu – ebenfalls vom Familiengericht – ein Besuchsrecht für den Vater der Kinder, haben die beiden erfahren. „Das Gewaltschutzgesetz ist eines von vielen Instrumenten, die hilfreich sind“, sagt Hönig. „Aber es greift für viele Frauen zu kurz. Wir merken eine gewisse Müdigkeit.“ Sie kämpfen immer wieder für einen sensiblen und respektvollen Umgang mit den individuellen Problemen der von Gewalt betroffenen Frauen. Inwieweit das Gesetz allerdings im Alltag wirklich für Veränderung gesorgt hat, darüber möchte BISS bei der Fachtagung diskutieren.

Durch Initiative von BISS e.V. wurde 2003 ein Runder Tisch gegen Gewalt in der Familie mit Vertretern von sozialen Einrichtungen, Behörden und Juristen einberufen. Die Arbeitsgruppe des Kriminalpräventionsrates in Stadt und Landkreis Lüneburg organisiert den Uelzener Fachtag mit. Die Beratungsstelle BISS ist für weitere Informationen erreichbar unter der Telefonnummer (05 81) 3 89 28 20.

Von Diane Baatani

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