Stadtwerke legen Kraftwerk vorerst still

Nach Auslaufen der Lieferverträge haben die Stadtwerke Uelzen den Betrieb ihres BLockheizkraftwerkes eingestellt.

Uelzen - Von Mark Rath. Es hatte für Schlagzeilen gesorgt und Befürworter wie Gegner buchstäblich auf die Palme gebracht – nunmehr steht es still: Das einst von den Stadtwerken für die Einspeisung von Palmöl umgerüstete Blockheizkraftwerk im Gewerbegebiet am Neuen Felde ist seit dem 1. Juli 2010 nicht mehr in Betrieb.

„Das Kraftwerk ist momentan ein reines Pflanzenölkraftwerk und kann mit verschiedenen Pflanzenölen betrieben werden“, erklärt Mirco Pinske von der Stadtwerke-Geschäftsführung. Die Preise für Pflanzenöl seien aber in der letzten Zeit stark angestiegen, „so dass ein Betrieb momentan nicht wirtschaftlich möglich ist“, verweist Pinske auf eine Entwicklung, wonach sich der Palmöl-Preis binnen zwölf Monaten nahezu verdoppelt hat. Die letzten Lieferverträge waren im Sommer ausgelaufen. Pinske: „Ab einem gewissen Preis rechnet sich der Betrieb eines Kraftwerkes wirtschaftlich nicht mehr. Aus diesem Grund steht momentan das Kraftwerk still.“

Vom hohen Palmöl-Preis hatten die Stadtwerke vor zwei Jahren noch profitieren können. Das städtische Tochterunternehmen hatte sich vor fünf Jahren an Palmöl-Plantagen in Malaysia beteiligt, konnte diese aber nach dem explosionsartigen Anstieg des Ölpreises mit „mehreren hunderttausend Euro“ Gewinn veräußern, wie Stadtwerke-Geschäftsführer Markus Schümann damals verkündete.

Umweltaktivisten hatten bis zuletzt den Palmöl-Einsatz der Stadtwerke angeprangert. Noch vor knapp einem Jahr startete die Initiative „Rettet den Regenwald“ unter dem Motto „Zurück auf dem Irrweg – Stadtwerke Uelzen verheizen wieder Palmöl“ eine bundesweite Protestkampagne, der sich mehr als 10 000 Unterstützer angeschlossen hatten.

Pinske bedauert, dass es nicht gelungen sei, „die Wichtigkeit von nachhaltig produziertem Palmöl transparenter zu machen“. Die Stadtwerke hätten von Anfang an Wert darauf gelegt, ausschließlich nachhaltiges Palmöl zu beziehen. „Wir sind Mitglied am Runden Tisch für Nachhaltiges Palmöl (RSPO) geworden, haben durch den Bundesverband ,Biogene und Regenerative Kraft- und Treibstoffe e.V‘ (BBK) ein Audit der Plantagen durchführen lassen und haben auf verschiedenen Ebenen für die Wichtigkeit der Zertifizierung von nachhaltigem Palmöl geworben“, unterstreicht der Leiter der Kommunikationsabteilung.

Das Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt und Energie war indes 2007 in einer Studie im Auftrag der Bundesregierung mit Blick auf die Uelzener Praxis zu dem Ergebnis „Insgesamt ist dieses Beispiel nicht unbedingt positiv zu bewerten“ gekommen.

Nahezu einhellige Rückendeckung für das Palmöl-Engagement gab es dagegen aus der Uelzener Kommunalpolitik. Nur bei den Grünen herrschten zwei Denkrichtungen: Während der Kreisverband eine ablehnende Resolution verabschiedeten, stellte sich die regionale Bundestagsabgeordnete Brigitte Pothmer hinter den Stadtwerke-Kurs.

Für den Stadtwerke-Kommunikationschef steht fest: „Aus meiner Sicht kann es nicht die Lösung sein, den Einsatz von Palmöl kategorisch abzulehnen, denn global betrachtet wird es immer Abnehmer für Palmöl geben. Als starke Wirtschaftsnation muss es uns vielmehr gelingen, die Verwender von Palmöl dazu zu bewegen, ausschließlich nachhaltiges Palmöl einzusetzen“, betont Pinske. Hier sei die Öffentlichkeit gefragt: „Nur wenn der Druck auf Nachfrageseite vorhanden ist, werden sich mehr und mehr Unternehmen für den Bezug von nachhaltigem Palmöl entscheiden.“ Wünschenswert ist seiner Meinung nach ein Siegel, welches „bereits auf ersten Blick erkennbar macht, dass es sich um nachhaltig produziertes Palmöl handelt“.

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