„Stadtregion Uelzen“ – Rainer Schimmel und Dr. Jürgen Wrede als Visionäre

„Wir alle werden Stadt“

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„Ganz andere Wahrnehmung“: Statt in einem anonymen Großkreis Nordostniedersachsen aufzugehen, könnte die „Stadtregion Uelzen eine eigene Identifikation in der Mitte zwischen den Metropolen Hamburg und Hannover entwickeln.

Uelzen. „Um es kurz zu machen: Weg mit den Gemeinde- und Samtgemeinderäten, weg mit den Gemeinde- und Samtgemeindeverwaltungen, hin zu ,alles unter einem Dach’, hin zur ,Stadtregion Uelzen’ – ja, das muss das Ziel sein!“

Mit einem ebenso revolutionieren wie visionären Vorschlag sind Rainer Schimmel, langjähriger Inhaber der gleichnamigen Buchhandlung in Uelzen, und Dr. Jürgen Wrede, Apotheker aus Suderburg, jetzt an die Öffentlichkeit getreten. Unter dem Titel „Stadtregion Uelzen – ein Diskussionspapier“ wollen die beiden Autoren eine „dringend notwendige Debatte um die langfristige Positionierung der hiesigen Gegend“ anstoßen. Wir sind in vielen Vereinen, Verbänden und Organisatoren über Jahrzehnte aktiv. Wir kennen den Landkreis Uelzen und seine handelnden Akteure. Wir sind hier in der Region verwurzelt. Wir haben dieses Papier über Monate entwickelt – denn: Wir sind der Meinung, dass 40 Jahre Samtgemeinde kläglich gescheitert sind“, verkünden Schimmel und Wrede.

„40 Jahre Samtgemeinde sind kläglich gescheitert“: Rainer Schimmel l.) und Dr. Jürgen Wrede blicken in die Zukunft.

Durch die Gründung einer „Stadtregion Uelzen“ solle die gewachsene politische und kulturelle Struktur, unter Berücksichtigung einer erheblichen Kosteneinsparung, erhalten bleiben. Mit dieser Maßnahme solle die Region Uelzen zukunftsfähig und zu einer Modellregion in Niedersachsen werden. Ziel sei, nicht in einem anonymen Großkreis Nordostniedersachsen aufzugehen, sondern die eigenen Kräfte zu stärken und die Identifikation mit der eigenen Region zu erhalten, heißt es im Diskussionspapier. Wrede weiter: „Die derzeitigen Fusionsgespräche zwischen Uelzen und Suderburg sind zu kurz gesprungen. Und: Was soll so ein Kunstgebilde wie die Samtgemeinde Aue? Was soll der Bürger mit dem Begriff Aue anfangen? Der Bürger erkennt nicht die Vorteile, wenn sich Wrestedt und Bad Bodenteich zur Samtgemeinde Aue zusammenschließen.“

In einer neuen „Stadtregion Uelzen“ würden über 90 000 Einwohner leben „und wir würden kurz vor der Schwelle zur Großstadt stehen – mit allen ihren Vorteilen. Wir werden in Zukunft ganz anders wahrgenommen“, sagt Rainer Schimmel. Somit würden wir ein starkes Signal nach Hannover senden und könnten vielleicht sogar als Pilotprojekt bei der Umstrukturierung mit finanzieller Förderung rechnen. Eine „Stadtregion Uelzen“ bleibe bei einer geplanten Kreisreform selbstständig und die Einflussnahme auf die Politik einer überschaubaren Region erhalten. In einem künstlichen Großkreis Nordostniedersachsen würden die kleinen Gemeinden an Bedeutung und Einfluss verlieren. Wrede und Schimmel wollen eine Verwaltungs- und eine politische Ebene. In allen Gemeinden sollten die Ortsräte weiter existieren. Das bestehende Modell der Stadt Uelzen sollte auf den Landkreis übertragen werden. Die Bürger könnten ihre Interessen vor Ort direkt einbringen. Wrede: „Die harmonische Stadtregion Uelzen stellt sich mit einem Oberzentrum und Unterzentren mit Bürgerbüros dar. Alternativ könnte auch ein Bürgerbus die gesamte Region abfahren, um bürgernah vor Ort die einfachen Verwaltungsarbeiten (beispielsweise Ausweis-Verlängerung) zu erledigen.“

Nach Einschätzung Wredes und Schimmels wäre die „Stadtregion Uelzen“ zugleich Unistadt, Kurstadt, Verwaltungsstadt, Gewerbe- und Industriestandort, landwirtschaftliches Zentrum und hätte ein vielfältiges kulturelles Angebot (Museen, Klöster, Theater) mit einem hohen Freizeitwert. Die beiden Visionäre voller Begeisterung: „Wir alle werden Stadt!“

Von Andreas Becker

Kommentar

Das ist ein echtes Pfund, das Rainer Schimmel und Dr. Jürgen Wrede in die aktuelle kommunalpolitische Fusions-Waagschale geworfen haben. Bevor Berufskritiker und Dauernörgler aus ihren Ecken kommen und das Diskussionspapier in Bausch und Bogen verdammen, sollte sorgfältig nachgedacht werden. Denn: Die Vision einer „Stadtregion Uelzen“ ist es allemal wert, ernsthaft und sachlich analysiert zu werden – mit allen Vor- und Nachteilen. Nur wer die Anstrengung in Kauf nimmt, auch einmal gegen den Strom zu schwimmen, kommt schließlich an die Quelle. (abc)

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