Nach dem Desaster beim Abi-Ball halten Politiker das Ende für die Veranstaltungshalle für möglich

Die Stadthalle auf dem Prüfstand

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Gestern bauten Arbeiter die restlichen Teile eines Zeltes ab, das für den Abi-Ball vor der Stadthalle aufgebaut worden war, weil der Platz drinnen nicht für alle Gäste reichte.

Uelzen. Bier aus Plastikbechern statt aus Gläsern, harte Gartenbänke statt Stühle, leere Platten mit angetrockneten Speiseresten statt eines leckeren Büfetts – chaotische Zustände statt eines festlichen Balls.

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„Wir hatten im Vorfeld eine lange Diskussion mit Eltern, ob wir wirklich in Uelzen feiern sollten. Wir haben uns dafür entschieden und werden dann derart abserviert“, hieß es gestern empört aus Kreisen des Johanneums Lüneburg. Auch zwei Tage nach dem misslungenen Abi-Ball in der Uelzener Stadthalle waren Enttäuschung und auch Wut bei den Gymnasiasten aus Uelzens Nachbarstadt kaum gewichen. Und in Uelzen ist seit dem Flop von vergangenem Sonnabend die Diskussion über den Sinn des Betreibens einer Stadthalle wieder voll entflammt. Denn aus städtischen Steuergeldern fließen jährlich 150 000 Euro in die Stadthallen GmbH, die die Veranstaltungshalle betreibt. Ein weiterer, noch nicht genehmigter Investitionsplan sieht zusätzlich drei Millionen Euro vor allem im Brandschutz und der Energieeinsparung für die nächsten zehn Jahre vor.

Viel Geld, gerade unter dem Gesichtspunkt, dass die städtischen Kassen leer sind und die Halle derzeit eher Negativ-Werbung für Uelzen macht. Denn von den über 700 Gästen des Johanneums Lüneburg wird wohl keiner die Uhlenköperstadt in guter Erinnerung behalten – dazu kommen viele tausend Leser, die unter anderem in der Landeszeitung Lüneburg von dem Debakel erfuhren. „Wenn das so stimmt, ist das eine Katastrophe, ein fatales Bild für Uelzen“, sagt der Vorsitzende der CDU-Stadtratsfraktion, Stefan Hüdepohl.

Es müsse nun über die Frage diskutiert werden, ob das Kosten-Nutzen-Verhältnis bei der Stadthalle noch stimme, zumal man vor Investitionen stehe: „Da muss dringend über das Konzept gesprochen werden.“ Einen Schritt weiter geht Ralf Munstermann (SPD): „Die Stadthalle ist eines der Projekte, das wir im Rahmen der Haushaltskonsolidierung auf den Prüfstand stellen müssen.“ Seit Jahren investierte die Stadt in die Stadthalle „und es ist in den vielen Jahren nicht gelungen, ein vernünftiges Image aufzubauen und eine Erfolgsgeschichte daraus zu machen“.

Stadthallen-Pächter Andreas Holleman bedauerte gestern das Desaster: „Wir sind alle geknickt hier, dass das so in die Hose gegangen ist“, erklärte er gegenüber der AZ. „Das ist ärgerlich, tut mir weh und schädigt meinen Ruf.“ Man dürfe aber nicht die Schuld allein bei den Veranstaltern suchen: „Es sind wesentlich mehr als die angemeldeten 780 Personen gekommen“ – die Abiturienten bestreiten das. Ariane Schmäschke (Grüne) fordert schon seit längerem den Verkauf der Stadthalle: „Wir brauchen diesen Veranstaltungsort nicht, zumal wir jetzt auch noch die Jabelmannhalle haben“.

Selbst ein geringer Erlös durch den Verkauf wäre noch besser, als jedes Jahr Verluste auszugleichen. Die Stadtverwaltung verweist derweil darauf, dass man nicht anhand einer Veranstaltung beurteilen dürfe, ob eine Stadthalle sinnvoll sei: „Für das öffentliche Leben in der Stadt ist diese Einrichtung von Bedeutung“, betont Stadtsprecherin Ute Krüger. Dort fänden Vereinsleben und ehrenamtliches Engagement statt: Kegelsport bis zu Deutschen Meisterschaften, Tagungen aus Politik und Wirtschaft, die Schützengilde mit vielen überregionalen Veranstaltungen, demnächst tage dort der Deutsche Schützenverband.

Abgesehen davon habe die Verwaltung die Stadthallen GmbH aufgefordert, die Vorgänge vom Sonnabend genau zu prüfen. „Es gibt widersprüchliche Aussagen, wir möchten uns da ein klareres Bild machen“, so Krüger.

Von Thomas Mitzlaff

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