Stadt verspricht zu lernen

Die Schüler aus Holdenstedt erinnerten Sozialdezernent Jürgen Markwardt an das Versprechen der Stadt, Gelder für eine Umgestaltung des Schulgeländes bereitzustellen.

Uelzen-Holdenstedt - Von Jürgen Köhler-Götze. Die Kinder der Grundschule Holdenstedt haben in der vergangenen Woche eine wichtige Lektion gelernt: Es lohnt sich, seine Interessen mit Nachdruck zu vertreten. Da hatten sie im Februar 2009 an ihrer Schule eine Zukunftswerkstatt veranstaltet und geplant, wie ihr Schulhof in Zukunft aussehen sollte, hatten das alles aufgeschrieben und aufgemalt und das ihren Lehrern und Eltern übergeben. Die sollten versuchen, möglichst viel davon Wirklichkeit werden zu lassen. Doch auf eine Änderung warten die Schüler bis heute, so wurden sie jetzt aktiv.

Einen benutzbaren Spielrasen mit kleinen Fußballtoren wollten sie haben und der Schulhof sollte wieder schön bepflanzt werden. Das, so hatten Eltern und Schulleitung mit der Stadt ausgehandelt, sollte im ersten Schritt passieren, denn auf der Wunschliste stand noch eine ganze Menge mehr. Die Gelder wurden bereit gestellt und im Herbst 2009 sollten neue Büsche und Bäume gepflanzt werden, versprach die Stadt. Abgeholzt wurde dann auch, der Schulhof war kahl, aber die neuen Pflanzen ließen auf sich warten. Klar, dass die Schüler enttäuscht waren. Das neue Versprechen der Stadt: Im Frühjahr 2010 wird gepflanzt, aber auch da passierte nichts. Die Zuständigkeiten bei der Stadt hätten sich geändert, hieß es. Der gesamte Plan stand wieder zur Debatte.

Um die Sache zu beschleunigen, bot der Elternverein an, die nötigen Erdarbeiten in Eigenarbeit zu leisten und sich mit 4000 Euro an den Fußballtoren und dem Ballfangzaun zu beteiligen. Die Stadt war einverstanden, die Eltern organisierten und buddelten. Im Herbst 2010 sollte auf jeden Fall gepflanzt werden und der Rasen sollte in den Sommerferien anwachsen. Die Schüler gingen mit dieser Auskunft in die Ferien: Nach den Ferien haben wir endlich einen schönen Schulhof.

Nach den Ferien sah der Rasen aus wie ein Hirsefeld. Das er überhaupt aufgegangen war, lag daran, dass die Eltern ihn auf eigene Kosten bewässert hatten. Die Stadt hatte genau das vergessen. Und sonst war wieder nichts passiert. Versprechen erneut gebrochen, fanden sie Schüler. Herbstferien, lautete der neue Termin. Auch da passierte nichts. Erst ein Leserbrief und die Ankündigung einer Schülerdemo brachte Schwung in die Sache. „Ich habe noch nie so viele städtische Arbeiter auf einen Haufen gesehen“, spöttelt Michael Burmeister vom Elternverein. Die Fußballtore stehen, der Rasen ist bespielbar – die Pflanzen fehlen immer noch. Deswegen mochten die Kinder auch nicht auf die Demo verzichten und überbrachten dem Ersten Stadtrat Jürgen Markwardt einen Packen Protestbriefe. Der lobte die Kinder für ihr Engagement und gab zu: „Das hätte niemals so laufen dürfen. Versprechen muss man halten.“ Und als kleine Entschuldigung gab’s einen Ball für die Kinder. „Den könnt ihr treten, wenn euch mal wieder der Frust packt.“ Und damit der nicht schon wieder durch die Stadt ausgelöst wird, nahm er einen ganzen Packen Protestplakate auch gleich mit. „Die werde ich in der Verwaltung aushängen“, versprach er.

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