Belastungsmaximum ist erreicht

Stadt steckt 3,9 Millionen Euro in Erweiterung der Kläranlage

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Dietmar Kahrs, Leiter der Stadtentwässerung Uelzen, zeigt auf dem Gelände der Uelzener Kläranlage vom bestehenden Nachklärbecken auf die Stelle, an der das zweite entstehen soll. Im Hintergrund die B 4.

Uelzen/Berlin. Die Fakten zur Erweiterung der Kläranlage: Ein zweites Nachklärbecken sowie ein zweites Belebungsbecken werden gebaut. Die Kapazität der Anlage am Spottweg steigt so von 83 000 Einwohnerwerten auf 98 000 Einwohnerwerte.

Die Stadt investiert dafür 3,9 Millionen Euro – aber warum eigentlich und was heißt das alles?

Dietmar Kahrs, Leiter der Stadtentwässerung Uelzen, erklärt den Hintergrund der Erweiterung bei einem Gang über das Gelände. Zwischen Faulturm und Schneckenpumpwerk, Fettfang und Rechenhalle, zwischen Belebungsbecken und Nachklärbecken.

„Die Anlage ist an ihrem Belastungsmaximum“, stellt Kahrs heraus. Die 83 000 Einwohnerwerte ergeben sich dabei nur zu einem Teil – gut 30 000 Einheiten – tatsächlich aus Einwohnern der Stadt. Der restliche Teil ergibt sich durch Abwässer von örtlichen Betrieben. Manche, wie Autohäuser, leiteten wenig Abwässer ein, manche, wie die Uelzena und Nestlé-Schöller viel.

Insofern, so Kahrs, könne man von der zusätzlichen Kapazität von 15 000 Einheiten auch nicht darauf schließen, für wie viele zusätzliche Firmen oder neue Einwohner das reiche. Aber „die Stadt muss gewappnet sein“, meint Kahrs. Nicht zuletzt auch wegen möglicher künftiger Gewerbeansiedlungen nach dem beabsichtigten Lückenschluss der A 39.

Während die erste von drei Reinigungsstufen, die mechanische Reinigung – hier werden zum Beispiel grobe Partikel, Sand und Fett aus dem Abwasser entfernt –, schon jetzt auch größere Wassermengen reinigen könne, seien die zweite und dritte Reinigungsstufe, biologische Reinigung und Nachklärung, Engstellen, erklärt Kahrs.

Zunächst, ab 29. März, ausgebaut werde die dritte Reinigungsstufe, dann entstehe ein zweites Nachklärbecken mit rund 40 Metern Durchmesser.

In diesen Becken ende die Reinigung, dass Wasser komme zur Ruhe und Schlammspritzer sänken ab. Dieser Faulschlamm werde als Dünger und die Faulgase im Blockheizkraftwerk auf der Anlage verwertet. Das saubere Wasser hingegen werde, nachdem es die Anlage über zwölf Stunden durchlaufen habe, in die Ilmenau eingeleitet.

Aber bevor das Wasser in diese Nachklärbecken gelangt, so Kahrs weiter, würden im Belebungsbecken durch die Zufuhr von Sauerstoff und durch Mikroorganismen Kohlenstoffe, Stickstoff und Phosphor abgebaut. Der Bau eines zweiten Belebungsbeckens sei für Herbst geplant. Hierfür werde ein bestehendes Becken umgebaut. Die Inbetriebnahme der Gesamtanlage ist für Anfang 2017 geplant.

„Vielleicht wird irgendwann eine vierte Reinigungsstufe nötig“, erklärt Kahrs. Hier und da werde schon probiert, mittels Ozonbehandlung oder Aktivkohle-Filter beispielsweise Arzneimittelrückstände zu entfernen. „Das ist aber noch ineffektiv und gesetzlich nicht vorgeschrieben.“ Aber wegen der Verwertung des Faulschlamms aus dem Nachklärbecken als Dünger und dem Gas aus den Faultürmen in einem Blockheizkraft sagt Kahrs schon heute: „Wir haben eine sehr moderne Anlage.“

Kahrs weist darauf hin, dass man Besucher gerne vor Ort über die Abwasserreinigung informiert. Kontakt und Informationen auf www.stadtentwässerung-uelzen.de.

Von Steffen Kahl

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