Douglasbande: Plädoyers im Fall Ismael N. und Robert K. / Donnerstag Urteil

Staatsanwältin fordert Haft

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rast/az Lüneburg/Uelzen. Seit neun Monaten sitzen der heute 20-jährige Ismael N. und der ein Jahr jüngere Robert K. in Untersuchungshaft – und wenn es nach der Staatsanwältin geht, sollen beide für zwei Jahre und neun Monate hinter Gitter kommen.

Sie begründete ihr Plädoyer gestern vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichtes Lüneburg mit einer Wiederholungsgefahr, die von den beiden Mitgliedern der Uelzener Douglasbande ausgehen würde.

War die Staatsanwaltschaft zu Beginn des Prozesses noch von versuchtem Totschlag ausgegangen, wich sie davon im Verlauf der Verhandlung ab und sprach von gefährlicher Körperverletzung. Es habe für das Opfer „keine objektive Lebensgefahr bestanden“, auch lasse nichts auf Vorsatz schließen: „Dazu fehlten dementsprechende Äußerungen der Angeklagten am Tatort.“

Laut Verteidigung habe die lange U-Haft ihre Mandanten bereits „beeindruckt“. Die Rechtsanwälte der Angeklagten plädierten deshalb auf Urteile, die unter zwei Jahren liegen sollten und forderten die Aufhebung der Haftbefehle. Anklage wie auch Verteidiger machten deutlich, dass die Angeklagten wegen „Unreife“ und „gruppendynamischer Zwänge“ nach dem Jugendrecht verurteilt werden müssten – und da steht der Erziehungsgedanke im Vordergrund.

Keinen Zweifel gab es, dass Ismael N. am 2. Juli 2011 auf offener Straße vor einer Kneipe in Uelzen einem 41 Jahre alten Busfahrer eine Bierflasche gegen den Kopf geworfen hat. Anschließend trat Robert K. laut Staatsanwältin dem „hilflos, bewusstlos auf dem Boden liegenden Opfer zwei Mal ins Gesicht“.

Die Vorgeschichte schilderten die Verteidiger so: Bei einem Streit vor der Kneipe habe Ismael N. schlichtend eingreifen wollen, dann seien das spätere Opfer und Robert K. hinzugekommen. Der 41-Jährige habe K. Faustschläge versetzt, daraufhin sei N. in eine Kneipe gelaufen, habe sich eine Flasche geschnappt, die er draußen dem Mann gegen den Kopf warf.

Ismael N. hatte zum Prozessauftakt im November geäußert, er habe „Angst“ vor dem 41-Jährigen gehabt, K. sagte später, er sei nach den erlittenen Faustschlägen „sauer“ gewesen.

Die Staatsanwältin wies in ihrem Plädoyer auf die Vorverurteilungen unter anderem wegen „erheblicher Körperverletzungen“ hin. Das soziale Umfeld in Uelzen sei für die Angeklagten wie eine Familie und werde dazu führen, gleich gelagerte Taten gemeinsam mit denen zu begehen, die im Umfeld der Douglasbande ebenfalls straffällig geworden seien.

Die Verteidiger sahen Bewährungsstrafen mit begleitenden therapeutischen Maßnahmen als ausreichend an. Die „unreife Persönlichkeit“ der Angeklagten sei durchaus noch korrigierbar. Am Donnerstag, 26. April, wird die 1. Große Jugendkammer das Urteil sprechen.

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