Brandursachenermittler in Westerweyhe im Einsatz

Spurensuche im schwarzen Geröll: Es war wohl Brandstiftung

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Keine Aufräumarbeiten: Die Brandursachenermittler sind in dem Haus „Am Waterbusch“ in Westerweyhe zurzeit dabei, den Ausgangspunkt und die Gründe für das Feuer festzustellen. Das ist keine leichte Arbeit im fast völlig zerstörten Gebäude.

Uelzen. Sie graben mit den Händen im Schutt und in der Asche. Noch sind Viktor Trautmann und Marius Bröring nicht auf den Boden des Zimmers gestoßen, oder das, was von ihm übrig ist.

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In der Brandruine „Am Waterbusch“ in Westerweyhe haben der Polizist und der Praktikant mit der Suche nach Spuren begonnen. Sie sollen Aufschluss darüber geben, warum in dem Wohnhaus, das von dichtem Grün umgeben ist, am späten Freitagabend ein Feuer ausbrach. War ein technischer Defekt verantwortlich? Oder könnte es Brandstiftung gewesen sein? Letzteres hält Viktor Trautmann nach ersten Erkenntnissen für wahrscheinlicher. Aber gesichert ist das noch nicht. Er muss sich noch durch das wühlen, was die Flammen übrig ließen.

Mit beiden Händen graben Viktor Trautmann (rechts) und Marius Bröring in dem Schutt, um Hinweise auf die Brandursache zu finden.

Viktor Trautmann ermittelt bei Tötungs- und Sexualdelikten. Und seit 18 Jahren spürt er auch den Ursachen von Bränden nach. Dabei schließt er Möglichkeiten aus, die für ein Ausbruch des Feuers verantwortlich gewesen sein könnten. Das Haus in Westerweyhe war nicht an das Stromnetz angeschlossen, es gibt keine gemeldeten Bewohner, gelebt haben dort wohl vor dem Brand dennoch Menschen. Im Erdgeschoss entdecken Trautmann und Marius Bröring, der Polizeistudent ist und sich mit dem Praktikum auf die Polizeiarbeit vorbereitet, mehrere Gasflaschen, mit denen wohl ein Ofen betrieben wurde. Das Feuer hat sie nicht zum Explodieren gebracht. Sie sind wohl leer gewesen. Glück im Unglück. Aber für Trautmann und den angehenden Kollegen sind sie Hinweise, dass doch jemand hier gelebt haben muss – damit kommt auch ein fahrlässige Brandstiftung in Betracht.

Der Ausgangspunkt für das Feuer war aber, so sind sich die beiden sicher, nicht im Erdgeschoss, sondern im ersten Stock in einem gut neun Quadratmeter großen Zimmer. Das Feuer hat hier stärker gewütet als in anderen Räumen. 20 Zentimeter hoch liegen rußgeschwärzter Putz von den Wänden, die Reste der Zimmerdecke und verkohlte Balken. Sie wollen sich den Boden anschauen. Dort, wo das Brandniveau am tiefsten ist, müssen als erstes die Flammen gelodert haben.

Einzelne Brocken werden aus dem schwarzen Geröll gefischt. „Decke oder Boden?“, fragt Bröring den erfahrenen Brandermittler. Der urteilt schnell, indem er das Fundstück abgleicht – mit Farben und Formen der Überreste der Zimmerwände und -decke. Zeichnet sich ab, dass ein Fundstück ein Hinweis auf die Brandursache geben kann, wird es gesichert. Bei notwendigen Untersuchungen schickt Trautmann es zum Landeskriminalamt nach Hannover. „Dort gibt es spezielle Labore“, erklärt der Kriminalist.

Wurden Brandbeschleuniger genutzt, so lässt sich dies nach dem Feuer noch ermitteln. „Benzin riecht man“, sagt Trautmann. Mit fast zwei Jahrzehnten in der Brandermittlung hat er einen Geruchssinn dafür entwickelt. Zur Ausrüstung der Brandermittler gehört aber auch ein Gerät, mit dem sich der Einsatz von Brandbeschleunigern belegen lässt. „Es erschnupperte diese Stoffe gewissermaßen“, drückt Trautmann es allgemeinverständlich aus. Diese Technik werde auch noch in Westerweyhe zum Einsatz kommen, kündigt er an. Aber dafür sei es noch früh. Der Polizist geht davon aus, dass er ohnehin noch einmal wiederkommen muss, bis er einen abschließenden Bericht verfassen kann. „In der Regel schafft man an einem Tag ein Objekt“, sagt er. Dieser Brandort sei jedoch groß und schwer zu überschauen. Sein Bericht wird ausschlaggebend sein, ob die Polizei noch wegen Brandstiftung den Urheber suchen wird oder der Fall von der Staatsanwaltschaft abgeschlossen werden kann.

Von Norman Reuter

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