Ein Friseurladen diente als Tarnung für Fälscher von Meisterbriefen

Auf den Spuren von Kujau

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Zwei Urkundenfälscher wurden zu Haftstraßen verurteilt.

Uelzen. Das Geschäft mit den gefälschten Meisterbriefen lief wie geschmiert. „Es gab eine Fülle von Handwerkern, die nicht zur Meisterschule gehen wollten, sondern lieber ein paar Scheine in die Hand nahmen“, sagte der Verteidiger von Tibet A.

Die kleine Fälscherwerkstatt im Hinterzimmer eines Uelzener Friseurgeschäftes florierte – und niemand weiß, wie lange A. und sein „Geschäftspartner“ Martin K. noch Schriftzüge nachgemacht hätten, wäre ihnen nicht ein dummer Fehler passiert: Ohne ihr Wissen war ein weibliches Mitglied zwischenzeitlich aus der Prüfungskommission ausgeschieden. Tibet A. unterschrieb dennoch für sie auf einem nachgemachten Meisterbrief – einem Mitarbeiter der Industrie- und Handelskammer fiel der Schwindel auf. Gestern gab es vom Amtsgericht Uelzen die Quittung: Martin K. wurde wegen gewerbsmäßiger Urkundenfälschung zu zwei Jahren Haft, sein Kollege Tibet A. zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis verurteilt, beide Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt.

Das Niveau von Hitler-Tagebuchfälscher Konrad Kujau hätten die beiden Angeklagten laut Verteidiger zwar doch nicht erreicht, das Geschäft lief aber nicht schlecht. Neun Meisterbrief-Fälschungen konnte die Anklage dem 39-jährigen Tibet A. nachweisen, vier seinem 45 Jahre alten Komplizen Martin K.

Letzterer hatte allerdings noch eine Bewährungsstrafe vom Amtsgericht Hamburg-Harburg offen, das jüngst anderthalb Jahre Haft wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 16 Fällen verhängt hatte. Für K. stand die Bewährung deshalb auf der Kippe. Der Umstand, dass er ein Geständnis ablegte und dem Schöffengericht damit eine aufwändige Verhandlung mit zahlreichen Zeugenvernehmungen ersparte, habe das Gericht „sehr hoch beurteilt“, so der Vorsitzende Richter Rainer Thomsen.

Zumal die Zeugenanhörungen durchaus eine besondere Note gehabt hätten. Denn unter ihnen wären auch jene neun Handwerker gewesen, die für den Meisterbrief lieber zahlten als büffelten. Alle neun sind zwischenzeitlich ebenfalls rechtskräftig verurteilt wegen Gebrauchs gefälschter Urkunden.

Rechtskräftig ist das Urteil auch für die A. und K. Beide akzeptierten den Schuldspruch nämlich. Für seinen Mandanten sei das Verfahren ein Warnschuss, der ihm eine Lehre sein werde, versicherte der Verteidiger von Tibet A. Der hat mittlerweile zwei kleine Kinder und einen Job als Friseur in Aussicht – diesmal ohne Hinterzimmer. Weitaus bitterer ist die Geschichte für Martin K. Dieser hatte nach zweifelhaften Immobilien-Spekulationen seine Lizenz als Steuerberater verloren – und so eine Ahnung, dass er die wohl nicht wiederbekommen würde...

Von Thomas Mitzlaff

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