Am Montag bekommt die Uhlenköperstadt offiziell den Titel – doch was qualifiziert sie?

Auf den Spuren der Hanse in Uelzen

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Der Stadtumriss Uelzens vor dem Brand im 16. Jahrhundert – Archäologen gehen davon aus, dass die Stadtplaner bei der Konstruktion andere Hansestädte vor Augen hatten.

tm Uelzen. Wenn Innenminister Boris Pistorius am kommenden Montag Uelzen den Titel „Hansestadt“ verleiht, ist die Uhlenköperstadt nach Lüneburg, Stade und Buxtehude erst die vierte Stadt in Niedersachsen, die diese Bezeichnung auch offiziell führen darf.

Doch wie begründet sich die Verleihung, fragen viele Bürger. Uelzen und die Hanse – eine Spurensuche.

Grundriss mit Geschichte

Im 13. Jahrhundert wurde Uelzen am westlichen Ilmenauufer gegründet. Archäologische Erkenntnisse legen nahe, dass die Stadtplaner andere Hansestädte wie Lübeck, Stralsund oder Stockholm vor Augen hatten. Auffällig sind der bis heute im wesentlichen erhaltene Stadtgrundriss, die Form bestimmter mittelalterlicher Parzellenzuschnitte oder die Standorte des Rathauses und der St. Marien-Kirche. Die breiten Straßen deuten auf ein reges Marktgeschehen hin. Eine Tradition, die mit dem Vitalmarkt bis heute fortgesetzt wird.

Steinerne Zeugen der Zeit

Schon aus dem Jahr 1374 stammt der erste schriftliche Beleg dafür, dass sich die Stadt im mächtigen Hansebund engagierte. Zeugen der lebhaften Geschichte bleiben trotz einiger Zerstörungen, unter anderem im Zweiten Weltkrieg, Fachwerkfassaden, Gebäude der Backsteingotik und andere historische Ensemble, darunter die St. Marien-Kirche mit Propstei, eine der ältesten Ratsweinhandlungen Europas oder der Topfmarkt (heute: Schnellenmarktviertel) als früherer Handelsplatz.

Fernhandel zur Hansezeit

Aus 1270, also bereits aus der Zeit der Stadtgründung, stammt ein Artikel im Hamburger Schiffsrecht, der Uelzen in Zusammenhang mit einem Entladetarif am Alsterhafen nennt. Transportiert wurde Buchenasche, die dazu diente, Wolle zu bearbeiten. Den hansischen Handel beherrschten Tuche und Leinwand, unter anderem für Segel; daneben Getreide. Geografisch lassen sich im heutigen Estland, in England, Flandern und Norwegen (Bergen) Schwerpunkte des Uelzener Fernhandels ausmachen. Zudem hatte Uelzen im Mittelalter ein starkes Braugewerbe, das sich jedoch auf den lokalen Handel beschränkte.

Krieg & Frieden

Ende des 14. Jahrhunderts wurde Uelzen als strategisch wichtiger Punkt im sogenannten Satekrieg besetzt. Am 25. Oktober 1397 kehrte Frieden ein. Um dies zu feiern, stiftete der Rat eine sogenannte Armenspeisung, die auch heute wieder zelebriert wird und wohl zu den ältesten karitativen Veranstaltungen der Welt gehört.

Weltgeschichte brach 1427 über die kleine Stadt herein, als Uelzen dem dänischen König den Krieg erklärte, aus Loyalität zur Hanse, deren Rechte im Heringshandel eingeschränkt werden sollten. Uelzener Repräsentanten fehlten beim Friedensschluss von 1435, und so befand sich die Stadt, zumindest auf dem Papier, 569 Jahre im Krieg mit Dänemark

Verhandlungsort Uelzen

Versammlungen der Hanse fanden in der Regel in Lübeck oder anderen großen Städten statt. Es ist jedoch überliefert, dass am 21. Oktober 1470 Vertreter und Bevollmächtige aus 14 deutschen Hansestädten nach Uelzen kamen, um über ein Schutzbündnis, die sogenannte „Tohopesate“, zu verhandeln.

Eine Einigung kam nicht zustande, wohl aber eine Ergänzung im Textentwurf für den Bündnisfall, der nicht nur bei Straßenraub, sondern auch bei der Verletzung von Privilegien oder Freiheiten eintreten sollte.

1476 debattierten die Hansevertreter noch einmal in Uelzen. Abermals ging es um den Versuch, eine „Tohopesate“ zu etablieren. Beschlossen wurde das Bündnis noch im gleichen Jahr in Bremen.

Goldenes Schiff

Um das Wahrzeichen der Stadt ranken sich viele Geschichten – bis heute wissen wir nur, dass wir eigentlich nichts über seine Herkunft wissen. Umso reicher ist die Sagenwelt rund um diesen mit Edelsteinen bestückten Tafelaufsatz, der ein Marktkreuz auf der Mastspitze trägt und an einen „Holk“, ein mittelalterliches Frachtschiff aus dem westeuropäischen Raum, erinnert.

Das Schiff steht heute in der St. Marien-Kirche. Es wurde bislang kein vergleichbares Werk gefunden. Auch deshalb sind die Geschichten seiner Herkunft so phantasiereich – unter anderem erzählte man sich, ein Uelzener Kaufmann, der bei Königin Elisabeth I. in Gnade stand, habe es im 16. Jahrhundert aus London mitgebracht.

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