Spielkreis schließt im Sommer

Die Tage im Himberger Spielkreis sind gezählt: Zum 31. Juli kommenden Jahres soll die Einrichtung nach 32 Jahren Betrieb für immer ihre Türen schließen.

Himbergen - Von Gudrun Kiriczi. „Ich bin nicht klein, ich bin groß“, zeigt Lotta vier Finger hoch. Ihre Freundin Luisa ist sogar schon fünf Jahre alt. So wie einst ihre Mutter besucht auch die kleine Lotta den Spielkreis in der Himberger Grundschule. Doch diese fröhliche Runde wird es bald nicht mehr geben. Der Spielkreis wird geschlossen.

„Wir sind Opfer der Politik“, bedauert Erzieherin Christine Lühr, die seit 31 Jahren im Himberger Spielkreis arbeitet, die Entscheidung, die Einrichtung zu schließen. Im Januar 1978 wurde durch den damaligen Bürgermeister Gerd Barge der Spielkreis gegründet. Er griff eine Elterninitiative auf, die Dagmar Gerdes angestoßen hatte.

„Der Spielkreis ist immer gut angenommen worden, auch als der Kindergarten gekommen ist“, erinnert Lühr. Die Eltern schätzen es, dass sie eine Auswahl in der Betreuung ihrer Kinder haben. „Bei uns ist eine Zwei-, Drei- und Fünf-Tage-Betreuung möglich, und der Kostenfaktor ist gegenüber dem Kindergarten viel, viel niedriger“, sagt die Leiterin Tanja Glabbatz.

Dass die Einrichtung wegrationalisiert werden soll, empört die Eltern. „Anfang November erreichte uns die Nachricht von der fristgerechten Kündigung der Räume zum 30. Juni 2011 durch die Samtgemeinde Bevensen“, sagt Elternvertreterin Britta Hackert. Im Zuge der Sanierung der Grundschule werde der Platz für die Schüler benötigt, der Spielkreis müsse weichen. „Begreifen kann das keiner“, versichert Silvia Alvermann, deren Sohn die Einrichtung besucht. Viele ehemalige Spielkreiskinder sind inzwischen Eltern und freuen sich, dass ihre Kinder ebenfalls den Spielkreis besuchen können.

Die Unruhe unter der Elternschaft ist groß. Der Elternabend am vergangenen Dienstag mit Vertretern der Samtgemeinde und der Gemeinden Himbergen und Römstedt schürte die noch. Ihren Unmut und ihre Enttäuschung taten die Eltern den Politikern kund.

Denn Mütter und Väter, die stundenweise vormittags arbeiten, wissen ihre Kinder gut betreut. Im Kindergarten könne eine Vormittags-Betreuung nicht garantiert werden.

„Einige Kinder wechselten vom Kindergarten in den Spielkreis, weil sie nur nachmittags einen Platz bekamen“, sagte Britta Hackert. Ganz schlimm fand Annika Menklein die Aussage von Römstedts Bürgermeister Bernd Lüders, „dass wir quasi froh sein könnten, dass wir den Spielkreis so lange hatten“.

Dass man sich den Elternabend hätte schenken können, meinte Heike Hanschke, da die Linie der Politiker klar sei. Sie ist maßlos enttäuscht. Ihr Sohn besucht den Spielkreis von 8 bis 12 Uhr und fährt dann mit dem Bus nach Hause. Eine Möglichkeit, die es vom Kindergarten aus nicht gibt, sagt sie.

Der Spielkreis ist gegenüber dem Kindergarten eine preiswerte Variante, ziehen Eltern ins Kalkül. Monatlich entstehen an Kosten 24, 36 oder 60 Euro je nach Betreuungsangebot für zwei, drei oder fünf Tage vormittags. Die Aussage der Politiker, dieses Angebot ermögliche nicht die Berufstätigkeit der Eltern, stimmt nicht, sagen die Mütter. „Es arbeiten ja nicht alle in Lüneburg oder Hamburg, sondern meist in Wohnort-Nähe“, sagen sie. Eines steht für sie fest: Sang- und klanglos wollen die Eltern den Spielkreis nicht untergehen lassen.

Am heutigen Mittwoch befasst sich der Bevenser Schulausschuss um 15 Uhr im Ämterzentrum mit dem Raumprogramm der Himberger Grundschule.

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