Von Woche zu Woche

Spaß- und Pflichtprogramm

Wer einen jungen Mann fragt, wann Vatertag ist, wird im Frühjahr eine relativ genaue Antwort bekommen. Wer ihn fragt, wann Muttertag ist, läuft Gefahr, auf Unwissen zu stoßen. Der Grund ist etwas tragisch: Spaß haben wird eben etwas besser geplant als der Termin, bei dem man der Mutter mal sagen sollte, wie gut es ist, dass sie da ist – und immer da war.

Kai Hasse

Schade ist daran, dass der Vatertag oft nicht mehr ganz als Tag für die Väter gefeiert wird. Seit Jahren treffen sich Jugendliche und junge Erwachsene beider Geschlechter, um über die Stränge zu schlagen. Zwar gibt es auch – soweit man das so nennen kann – „ernstzunehmende“ Vatertagstouren von ideenreichen Ausflüglern, Radlern oder Wanderern, aber das Besäufnis überwiegt oft und ist die Beschäftigung des Einfallslosen. Andernorts gibt es Turniere im Schlammfußball bei kulanten Bauern auf dem Acker oder Gummistiefelweitwurf-Wettbewerbe, bei denen das simple Vollaufen-lassen nicht der Mittelpunkt der Veranstaltung ist. Möglicherweise mag jemand Schlammfußball oder Gummistiefelweitwurf für ebenso wenig präsidiale Tätigkeiten halten, aber sie gehen über den üblichen Suff hinaus, bei dem die Polizei stets fürchten muss, dass bald die Fäuste fliegen.

Der Muttertag dagegen fällt kaum als spektakulär auf. Da gibt es ein paar Blumen, einige liebe Worte. Das ist auch gut so, wird aber oft eher als „Pflichtprogramm“ verstanden. Dabei sollte stets Muttertag sein, sogar beim eigenen Geburtstag wäre es nicht falsch, auch der Mama zu danken.

Dass der Unterschied so groß ist, mag auch an dem freien Tag in der Mitte einer Woche liegen, der der Himmelfahrtstag ist. Auf ihn wurde der Vatertag pragmatisch verlegt – schlicht, damit man auch feiern kann. Dass der kirchliche Feiertag auch noch eine eigene Bedeutung darüber hinaus trägt, interessierte wenig. Der Muttertag hingegen ist – im Gegensatz zum herausstechenden Himmelfahrtstag – im Bewusstsein vieler leider oft nur ein weiterer Sonntag von vielen.

In den USA und in Südkorea gibt es einen Tag für beide, Mutter und Vater zusammen: „Parent’s Day“, also Elterntag, heißt er. Er wäre ein heißer Kandidat dafür, auch in Deutschland mal für klare Verhältnisse zu sorgen.

kai.hasse@az-online.de

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