Unter professioneller Anleitung bereiten sich Hundehalter auf den Sachkundenachweis vor – der wird 2013 Pflicht

Der Spaß darf nicht zu kurz kommen

Uelzen. „Hier!“ Das Wort war kaum zu hören, aber der große weiße Hund wetzt los zu seinem Frauchen. Das Kommando ist sein Startzeichen, nachdem er zuvor allein im „Platz“ verharrt hat: Liegend musste er mit ansehen, wie sich seine Bezugsperson rund 30 Meter von ihm entfernte.

Kaum bei seiner Chefin angekommen, verlangt diese ein „Fuß“ und der Hund geht umgehend auf ihre linke Seite, setzt sich hin und schaut erwartungsvoll in ihr Gesicht.

Perfekt, genau so soll die Übung aussehen. Dieses Gespann aus Hundeführer und Vierbeiner scheint bestens vorbereitet zu sein für die Prüfung zum Hundeführerschein. Der setzt sich aus weiteren Aufgaben dieser Art und einem Theorie-Teil zusammen – bei letzterem ist natürlich nur der Halter gefragt. Die Gruppe von Hundebesitzern, die gerade bei strömendem Regen auf dem Gelände des Uelzener Boxerklubs trainiert, bereitet sich freiwillig auf die Prüfung vor. Ab Juli nächsten Jahres wird der Hundeführerschein allerdings Pflicht für alle, die sich einen neuen Hund anschaffen und nicht durch vorangegangene Erfahrungen als sachkundig gelten. „Aus welchen Prüfungen sich der künftige Hundeführerschein zusammensetzt, steht noch nicht im Detail fest“, erklärt Jochen Neunast. Er ist Vorsitzender des Boxerklubs Uelzen und blickt auf mehr als 30 Jahre Hunde- und Vereins-Erfahrung zurück. „Aber er wird dem aktuellen Modell sehr ähnlich sein“, erwartet der Hundetrainer.

In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten hat sich in der Erziehung der Vierbeiner viel getan. So waren in Ratgeber-Büchern von einst viele „Tipps“ zu lesen, die heute nicht nur als überholt, sondern völlig widersinnig gelten. „Früher hat man Welpen beispielsweise – um sie stubenrein zu kriegen – mit der Nase in ihre Hinterlassenschaften gedrückt“, berichtet Neunast. „Oder sie bekamen bei unerwünschten Verhaltensweisen mit einer zusammengerollten Zeitung eins hinten drauf.“ Heute arbeite man möglichst ausschließlich mit positiver Verstärkung: Zeigt ein Hund das gewünschte Verhalten, wird er belohnt, andernfalls ignoriert. Auch an das Gassigehen gewöhnt man Hunde heutzutage vollkommen gewaltfrei. Das wiederum stärkt die Beziehung zwischen Mensch und Tier, was die Zusammenarbeit auch in allen anderen Bereichen erleichtert.

Ein anderes Beispiel für den Wahrnehmungswandel ist der Besuch von Hundeschulen: „Früher war vielen Hundebesitzern gar nicht bewusst, dass es diese Möglichkeit gibt, oder man dachte, das sei nur etwas für große, schwer erziehbare Hunde“, erinnert sich Neunast. Heute nutzen viele Hundebesitzer nicht nur die professionelle Unterstützung bei Erziehungsfragen, sondern auch das Angebot zu weiteren gemeinsamen Aktivitäten, wie zum Beispiel Agility – einer Art Hindernislauf.

Eine Entwicklung, die Neunast begrüßt – gerade, wenn er die Erfolge sieht, die sich beim Team Mensch-Hund einstellen und den Spaß, den sie zusammen haben. Der darf nämlich auch in den Übungsstunden nicht zu kurz kommen: Zwischen den Einheiten zum Gehorsam wird auch immer wieder kurz gespielt. „Was die Vorlieben angeht, sind die Hunde auch unterschiedlich: Der eine apportiert gerne Holzstücke, der andere zerrt lieber an einem Stück Seil“, weiß Neunast.

Auch das Gesetz zur Führerschein-Pflicht für Neu-Hundebesitzer findet der Trainer gut und richtig: „Es profitieren alle davon – Hund, Mensch und Öffentlichkeit – wenn Halter über die nötige theoretische und praktische Sachkunde verfügen.“

Für heute ist Schluss mit dem Training und auch Herrchen und Frauchen haben sich nun ein „Leckerli“ verdient: Im Vereinshaus wartet Kaffee und Kuchen auf sie.

Von Karsten Tenbrink

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