Demo für Veerßer Grundschule / Kultur verteidigt sich

Sparkurs: Protest nimmt Fahrt auf

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Mit 100 bis 200 Teilnehmern rechnet der Initiator der Demo für die Grundschule Veerßen. Trillerpfeifen, Transparente, Flugblätter und Unterschriftenlisten werden mitgebracht, aber keine Lautsprecher und Fahrzeuge.

Uelzen. Keine halbe Woche alt sind die öffentlichen Informationen über ein mögliches Sparprogramm der Stadt Uelzen. Und es rumpelt im Karton, gerade was die möglichen Schließungen der Grundschulen Veerßen und Molzen sowie Einsparungen in der Kultur betreffen.

Die Stadtratsfraktionen haben vorgestern Abend zu mehreren Themen getagt. Ergebnis in puncto Sparprogramm: keins. Die Sitzungen aller Parteien seien dominiert worden von der Diskussion um die teurer werdende Sanierung des Alten Rathauses.

Derweil sagen die Schulen und Eltern den Sparplänen den Kampf an, und das in den ersten Tagen auf unterschiedliche Weise. Wie in Molzen: Die AZ hat zu einem Thema in den vergangenen Jahren nicht mehr so viele Leserbriefe in kurzer Zeit gehabt. Der Tenor: Wir bleiben, das pädagogische Konzept stimmt, die Schule ist nicht nur ein Bildungszentrum des Ortes, sondern auch ein gesellschaftliches Zentrum. Die AZ hat eine möglichst repräsentative Auswahl heute im Blatt (Seiten 50 + 51), viele weitere sind online auf www.az-online.de zu lesen.

Während die Molzener also bissige Briefe schreiben, geht Veerßen heute auf die Straße: Ab 10 Uhr ist eine Demonstration für den Erhalt der Schule angekündigt, sie soll bis 12.30 Uhr dauern. Treffen ist auf dem Herzogenplatz, dann geht es bis zum Modehaus Ramelow, danach mehrmals durch die Marktstraßen und wieder zum Herzogenplatz.

Der Anwalt Dirk Offermann hat die Demo als Privatperson angemeldet, er rechnet mit 100 bis 200 Teilnehmern. „Wir wollen, dass die Öffentlichkeit aufmerksam wird“, sagt er, die Eltern der Grundschule Veerßen seien „erschüttert“ über den Sparplan der Stadt. Kritik übt er am Veerßener Ortsbürgermeister Karsten Jäkel, der sich seiner Meinung nach nicht deutlich genug hinter die Schule gestellt habe. Erbost äußerten sich auch Vertreter der Veerßer Schule. Schulleiterin Gesine Baureithel sagte: „Wir wollen weitermachen, ohne Wenn und Aber“. Sie sei traurig, dass das Engagement von Lehrern und Eltern scheinbar nicht genug gewürdigt werde und „wirtschaftliche Überlegungen über dem Wohl der Kinder stünden“. Toni Jeschke-Alten, bis vor kurzem noch die Schulelternratsvorsitzende, regte, wie auch Offermann, an, die Grenzen von Schulbezirken zu verlegen, sodass Schüler aus zu großen Klassen in die kleineren Schulen, wo die Klassen kleiner sind, ausweichen könnten.

Einsparkandidat ist auch die Kultur der Stadt. Ute Lange-Brachmann, Organisatorin der Holdenstedter Schlosswochen, hatte schon Anfang der Woche gesagt, dass kulturinteressierte Besserverdienende als mögliche Steuerzahler die Kultur zu einem „harten Standortfaktor“ machen. Gestern wurde im „Pro & Contra“ in der AZ die Meinung vertreten, Lange-Brachmann liefere eine „Sollbruchstelle“ in ihrer Argumentation für Kultur in Uelzen gleich mit: Wem, wenn nicht Besserverdienern, sei es zuzumuten, für kulturelle Veranstaltungen mehr aufzuwenden.

Lange-Brachmann reagierte gestern umgehend: Sie selbst habe Menschen durch ein lebendiges kulturelles Programm von Uelzen überzeugt. „Und gut verdienende Menschen brauchen wir dringend hier. Ich glaube, das wird kein Politiker, egal welcher Partei, abstreiten“, so Lange-Brachmann. Außerdem sei Kultur keine exklusive Veranstaltung für Betuchte. Man habe einen Sozialfonds für Schüler, die das Geld für den Besuch einer kulturellen Veranstaltung nicht aufbringen könne, und man habe mehrfach das Angebot gemacht, Hartz-IV-Empfängern den Eintritt für drei Euro zu gewähren – was bei den Schlosswochen angenommen worden sei.

Die Politik wird sich in der kommenden Woche weiter zu den Sparvorschlägen aus der Verwaltung beraten.

Von Kai Hasse

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