Landwirte im Kreis Uelzen rechnen mit Erntestart Mitte April – und reagieren auf den Mindestlohn

Spargel lässt sich länger Zeit

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Bald kann das Spargelstechen beginnen: Landwirt Hinrich Niemann und Sohn Joost haben für die AZ schon einmal einen Blick unter die Folientunnel geworfen. Die zarten Spargeltriebe schlummern noch rund 40 Zentimeter tief im Erdreich.

Uelzen/Landkreis. Spargelfans können bald die Schäler zücken – denn die „Königin der Gemüse“ steckt in den Startlöchern. Voraussichtlich Mitte April wollen Landwirte im Kreis Uelzen mit dem Stechen beginnen.

Einen Schnellstart, wie im Vorjahr, legt das Edelgemüse damit allerdings nicht hin. Nachdem 2014 um diese Zeit bereits der erste frische Spargel im Kochtopf landete, muss Hinrich Niemann jetzt noch rund vierzig Zentimeter tiefe Löcher in die Feldreihen graben, um die zarten Stängel zu Gesicht zu bekommen. „Ich denke, dass es ungefähr zwei Wochen später als letztes Jahr wird“, sagt der Wichtenbecker. Das bestätigt auch sein Kollege Oliver Brink aus Langenbrügge. Grund sind die kühlen Temperaturen in diesem Frühjahr, denn das weiße Gold mag es warm – im Idealfall 20 Grad in zwanzig Zentimetern Erdtiefe, erklärt Niemann. Jetzt seien es gerade einmal zehn – trotz Folientunnel. Unter dem wird die Temperatur im Erdreich – wie in einem Gewächshaus – durch die Sonneneinstrahlung erhöht.

Und dann habe auch noch „Niklas“ sein Übriges getan, ärgert sich Brink. Vielerorts im Landkreis riss der Sturm in der vergangenen Woche die Folien von den Feldern. Eine Ernteverzögerung von vier bis fünf Tagen rechnet der Landwirt der Zerstörung zu.

Während sich der Spargel nach dem Frühstart 2014 nun also noch ein wenig Zeit lässt, laufen bei Niemann bereits die ersten Kundenanfragen auf. „Die Leute haben richtig Lust auf Spargel“, stellt er fest – und ist sich sicher: Die Vorfreude werde nicht enttäuscht. Sowohl Brink als auch Niemann rechnen nämlich mit einer guten Qualität des Edelgemüses. Zart müsse dieses sein, meint Brink, und einen butterigen Geschmack haben.

Doch der Gaumenschmaus hat seinen Preis – und der könnte in dieser Saison höher liegen als im Vorjahr. Durch die stufenweise Einführung des Mindestlohns bekommen Erntehelfer jetzt 7,40 Euro pro Stunde, bis 2017 steigt der Lohn weiter auf 8,50 Euro. Hinrich Niemann hat seinen 30 Erntehelfern 2014 noch rund 6,50 Euro gezahlt. Einen Teil der zu erwartenden Mehrkosten werde er kompensieren, indem das Schälen nicht mehr kostenlos angeboten werde.

Oliver Brink erwartet ebenfalls Konsequenzen: „Der Spargel wird mit Sicherheit einen bis 1,50 Euro mehr kosten als letztes Jahr“, prophezeit er. Nur eine Variable sei noch zu berücksichtigen: „Wenn es viel Spargel gibt, kann ich die Kosten eventuell über die Menge ausgleichen.“

Immerhin: Gute Wetterbedingungen im Sommer 2014 lassen Niemann hoffen. „Was wir ernten, ist die Kraft, die der Spargel letztes Jahr gesammelt hat“, erklärt er. „Er hat eine Batterie – die Speicherwurzeln.“

Ohne Sonne im Frühjahr komme diese Energie aber nicht zum Tragen. Und so hofft Niemann, dass die Temperaturanzeige auf dem Thermometer bald steigt. „Für den Spargel gilt: Je wärmer, desto besser.“

Von Anna Petersen

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