Zwischen Online-Geschäft und Erhalt der Filialdichte / Kritik an Neuregelung bei Immobilienkrediten

Spagat bei der Sparkasse: In Zeiten des Niedrigzinses

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Die Hauptstelle der Sparkasse in Uelzen: Viele frühere Kunden kämen zurück, vermeldet das Kreditinstitut.

Uelzen. Für Kreditinstitute sind es komplizierte Zeiten: Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sorgt für Frust bei Sparern und erfordert eine Geschäftspolitik mit Weitblick.

Für die Sparkasse Uelzen/Lüchow-Dannenberg kommt noch dazu, dass die Präsenz vor Ort in unüberschaubaren Zeiten zwar ein Pluspunkt bei den Kunden ist; doch dem gegenüber steht eine ständig wachsende Zahl an Online-Nutzern und damit einhergehend eine abnehmende Frequentierung der kleinen Filialen.

Doch im landesweiten Vergleich sei dieser Drahtseilakt durchaus gelungen, resümieren der Vorstandsvorsitzende Dirk Köhler und Vorstandskollege Thorsten Pils, die jetzt den Jahresbericht des Geldinstitutes veröffentlichten. Mit 27 Filialen und neun Selbstbedienungsterminals in den beiden Landkreisen gehöre man niedersachsenweit zu den sehr gut ausgestatteten Sparkassen. Doch das müsse auch wirtschaftlich darstellbar sein: „Wir gehen nicht den Weg von Schließungen, sondern der reduzierten Öffnungszeiten“, erläutert Köhler den aktuellen Diskussionsstand. Doch ob das heutige Filialnetz in dieser Größe erhalten bleibe, könne man angesichts der Zins- und Kostenentwicklung nicht sagen: „Das wäre nicht seriös“.

Denn das Online-Banking nicht nur am Computer, sondern auch auf dem Smartphone erfreut sich immer größerer Beliebtheit und auch dieser Entwicklung muss die Sparkasse Rechnung tragen: „Auch die Pflege eines solchen Systems ist natürlich mit Kosten verbunden“, so Pils.

Beratung sei im Bankgeschäft mehr denn je gefragt, gerade, was die Geldanlage angesichts der Zinssituation betreffe, weiß Köhler: „Das ist bei unseren Kunden ein großes Thema.“

Wenn Ernüchterung über die Zinsen auf dem Sparbuch vorherrscht, „dann können wir mittlerweile Alternativen bieten“; so etwa Aktienfonds mit einer so genannten Höchststandsicherung.

Auf all diesen verschiedenen Feldern vom Online-Angebot bis zu persönlicher Beratung den Kunden gerecht zu werden, ist mit großem Aufwand verbunden. Ob man diesen Bedürfnissen gerecht wird, ermittelt die Sparkasse Uelzen/Lüchow-Dannenberg regelmäßig in umfangreichen Kundenbefragungen. „Da haben wir in den letzten Jahren sehr gute Zufriedenheitswerte, verbunden mit wachsenden Marktanteilen erlangt“, sind Köhler und Pils stolz auf ihre rund 540 Mitarbeiter. Mittlerweile würden auch Kunden, die der Sparkasse einst den Rücken kehrten, zurückkommen: „Dafür haben wir viel getan und darüber freuen wir uns.“

Immobilien: „Realitätsfremde Vorgaben“

Neue EU-Richtlinien für Kredite stoßen auf harsche Kritik

Uelzen/Berlin. Die erschwerte Kreditvergabe an Immobilienkäufer sorgt bundesweit für immer größeren Ärger: Vor allem ältere Menschen haben seit Inkrafttreten der neuen EU-Richtlinie im März zunehmend Schwierigkeiten, einen Immobilienkredit zu bekommen.

 So gibt es laut Genossenschaftsverband Bayern mittlerweile Volksbanken, die jeden vierten Kreditantrag ablehnen müssen. Andere Kreditinstitute konnten aufgrund deshalb erforderlich gewordener komplizierter Softwareumstellungen sogar wochenlang gar keine Kredite genehmigen.

 Und auch in Uelzen gibt es harsche Kritik an der neuen Regelung: „Wir haben hier ein über Jahrzehnte funktionierendes System und jetzt kommen die EU-Bürokraten und zerstören es mit völlig realitätsfremden Vorgaben, die mit der Situation vor Ort gar nichts zu tun haben. Da kann einem schon die Hutschnur hochgehen“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Uelzen/Lüchow-Dannenberg, Dirk Köhler.

 Mit der neuen Richtlinie soll eigentlich der Darlehensnehmer vor einer Überschuldung geschützt werden. Dabei geht es vor allem um die Frage, ob er seine monatlichen Raten in gleicher Höhe noch zahlen kann, wenn er in Rente geht. Ist das aufgrund der zu erwartenden Einkünfte nicht der Fall, darf der Kredit nicht gewährt werden.

 Bei der Sparkasse kritisiert man, dass diese Vorgabe zu kurz greift: „Die persönliche Lebensplanung des Kreditnehmers bleibt völlig unberücksichtigt, etwa ob er im Rentenalter das Haus verkaufen und sich eine Wohnung nehmen will. Oder ob er aufgrund seiner persönlichen Lebens- und Finanzsituation Möglichkeiten der Sondertilgungen hat“, nennt Sparkassenvorstand Thorsten Pils Beispiele. „Die Schreibtischtäter in der EU haben keine Ahnung, wie Kreditinstitute vor Ort wie die Volksbank und wir das verantwortungsbewusst händeln. Diese neuen Vorschriften sorgen bei uns für großen Unmut und sind ein klassisches Beispiel, wie man EU-Verdrossenheit schürt“, ergänzt Dirk Köhler.

 Mit dieser Einschätzung ist der Chef der Uelzener Sparkasse nicht allein: Auch andere Finanzinstitute bestätigen eine signifikante Zahl von Ablehnungen. Es gehe meist um Darlehen für den Kauf von Wohnimmobilien zur Altersvorsorge sowie für altersgerechte Umbauten. Der Ausschluss älterer Menschen oder von Familien mit geringerem Einkommen von der Kreditvergabe sei „weder vorgesehen noch beabsichtigt“, betonte derweil ein Sprecher von Justizminister Heiko Maas (SPD). Die neue Regelung sei erst wenige Monate in Kraft; „die Entwicklung von Standards durch den Markt dürfte noch nicht abgeschlossen sein“. Das Ministerium werde die weitere Entwicklung aber beobachten um festzustellen, ob sich „unerwünschte Nebeneffekte“ einstellen. Derweil kosten neue Regulierungsvorschriften die Sparkasse Uelzen jährlich bis zu zwei Millionen Euro.

Von Thomas Mitzlaff

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