Enttäuschung bei Grünen und SPD

Nur die FDP sorgt für Jubel

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Banger Blick zum Projektor: Karin Mühlenberg, Wilfried Teichmann, Andreas Dobslaw, Sylvia Meier und Kandidatin Kirsten Lühmann.

Uelzen/Landkreis. Einmal brechen die Grünen des Landkreises Uelzen um Bundestagskandidat Bernd Ebeling gestern Abend bei ihrer Wahlparty in Jubel aus – gegen 18. 10 Uhr, als es der ersten Prognose folgend für einen erneuten Bundestags-einzug der FDP nicht reichen würde.

Angesichts des eigenen „miserablen“ Ergebnisses, wie es Landtagsabgeordneter Heiner Scholing formuliert, bleibt die Stimmung verhalten. Denn gerechnet hatten die Grünen nicht mit einem Spitzenergebnis. Dass sie so deutlich abgestraft werden, erstaunt aber doch. Zwar erinnert Bernd Ebeling nach den ersten Zahlen noch daran, wie die Ergebnisse der vergangenen Landtagswahlen quasi im letzten Augenblick noch kippten, man solle erst die zweite und dritte Prognose abwarten. Kurz vor 19 Uhr dann deutlich ernüchterter bei einer Zigarettenpause: „Wir haben uns das selber zuzuschreiben. “ Und so sehen es zwischen Pizza und Rotwein – die Grünen trafen sich zur Wahlparty im italienischen Restaurant Garibaldi – bei stockender Internetübertragung und schwächelnden mobilen Lautsprechern viele. Demnach verlagern sich die Tischgespräche schnell vom Hoffen auf bessere Zahlen auf das Errechnen möglicher Koalitionen oder die Analyse eigener Fehler. Fazit: Die AfD bleibt spannende Unbekannte, Schwarz-Grün räumen sie geringe Chancen ein und eine Große Koalition sei aus Sicht der Grünen ungeliebter „Stillstand“.

An den Themen habe es gehapert, bilanziert Ebeling, der über keinen Landeslistenplatz in den Bundestag rutschen kann. „Wir haben es einfach nicht geschafft unsere Themen richtig rüberzubringen“, erklärt er die mehr als zwei Prozentpunkte Stimmenverlust der Grünen im Vergleich zur Bundestagswahl 2009. Entscheidend für das Wahlergebnis sei demnach nicht allein die Pädophilie-Debatte der vergangenen Wochen gewesen.

Die einzelnen Wahlbüros werden stundenlang durchgeklickt. In kaum einen Wahlbezirk hat Lühmann einen Stich gegen Otte.

Ernüchterung auch bei den Sozialdemokraten: Als der Balken für die CDU nach oben schnellt, gibt es lange Gesichter bei den SPD-Mitgliedern im Uelzener Astefix. Als der Balken für die SPD abrupt bei 26 Prozent stoppt, wird die Stimmung nicht besser. Als dann die Prognose für die FDP angezeigt wird, gibt es, wie auch schon bei den Grünen, lautstarken Jubel. In den weiteren Stunden bleibt die Stimmung dann aber gedrückt. Mitglieder klicken sich am Laptop, der mit einer Anzeigetafel vernetzt ist, durch die Ergebnisse der Wahllokale. Bei dem Lokal Tätendorf-Eppensen bleibt es lange stehen, dort schlägt die Kandidatin Kirsten Lühmann ihren Opponenten Henning Otte mit 39,3 zu 35 Prozent.

Die Hauptperson des Abends selbst steht lange ernst blickend am Rand des Geschehens. Lühmann hadert mit den Wahlkampfwochen: „Der Wahlkampf hat zwei Wochen zu früh aufgehört. Erst seit dem TV-Duell hat man sich endlich über Inhalte unterhalten.“ Wachsam schaut sie auf den Balken der AfD: „Sollte die AfD in den Bundestag kommen, werden wir Probleme bekommen. Die sind für das internationale Ansehen und die Politik Deutschlands gefährlich.“ Das Bangen darum, ob Lühmann über die Liste in den Bundestag einzieht, dauert bis in den späten Abend.

Die Liberalen bleiben die einzige Freude an dem Abend. Ein Witzchen, das jemand im Internet gepostet hat: „Liebe FDP, nun wisst ihr mal wie es ist, wenn Zeitverträge enden!“ – die Genossen lachen laut.

Der stellvertretende Ortsvorsitzende Klaus Knust sieht die Partei nach dem Ergebnis in einer miesen Situation. Eine Große Koalition würde nur schaden, und wenn sich keine Regierung bilden kann, gäbe es möglicherweise Neuwahlen.

Von Wiebke Brütt und Kai Hasse

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