Premiere in Bad Bevensen: Gläserne Waggons schlängeln sich fast lautlos durch die Fußgängerzöne

Solarbahn nimmt Fahrt auf

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Dank der Solarzellen auf dem Dach kann das Fahrzeug mit jeder Stunde Sonnenschein 10 Kilometer weit fahren.

Bad Bevensen. Kein Surren, kein Knacken, kein Brummen – die Solar-Elektro-Bahn bewegt sich wie auf leisen Schienen durch die Bevenser Innenstadt.

Gestern feierte der mit Sonnenenergie betriebene Zweiwaggoner in der Kurstadt Premiere: Bad Bevensen ist damit nach Hildesheim die zweite Stadt Deutschlands, die auf die umweltfreundliche ÖPNV-Variante setzt. Im Stundentakt wird Betreiber Andreas Gensch ab sofort auf zwei Routen durch die Kurstadt fahren – Erweiterung nicht ausgeschlossen. „Eine zweite Bahn wäre doch eine gute Idee“, wagte Bürgermeister Martin Feller einen Blick in die Zukunft.

Blickfang: Geparkt vor dem Neptunbrunnen zog die neue Solarbahn gestern manch neugierigen Besucher an. Bis zu 50 Passagiere können zeitgleich von der Solarbahn transportiert werden – für Rollstuhlfahrer wird eine Rampe ausgefahren.

Die Politik Lüneburgs hatte die Inbetriebnahme der Solarbahn, die eigentlich für Bevensens Nachbarn gedacht war, vergangenes Jahr abgelehnt – ganz zur Freude der Bevenser: „Alles Gute kommt aus Lüneburg – ich bin gespannt, was da noch kommt“, spielte Feller auf das zweite Schnippchen an, das die Kurstadt dem touristischen Schwergewicht aus dem Norden mit der Inbetriebnahme der Solarbahn geschlagen habe. Die Solarbahn reihe sich direkt hinter Gerhard Kreutz ein, der 2009 von der Lüneburg Marketing GmbH zur Bad Bevensen Marketing GmbH (BBM) gewechselt war. Anders als Kreutz, der über Jahre das Veranstaltungsprogramm Lüneburgs prägte, bevor er nach Bevensen kam, wurde die Solarbahn in der Salzstadt schon vor dem ersten Start ausgebremst. Die Politik befürchtete, die 25 Stundenkilometer langsame Bahn könne in der Innenstadt die Feuerwehr bei Einsätzen behindern oder zu Staus führen – Bedenken, die in Bevensen nicht geteilt werden. Auch Angst vor Unfällen mit der 18 Meter langen und nahezu lautlosen Wegebahn hat Stadtdirektor Hans-Jürgen Kammer nach der ersten Probefahrt nicht: „Das Problem haben wir mit Elektroautos und Rollstühlen auch – alle Verkehrsteilnehmer müssen umsichtig sein“, sagte Kammer. Die Optik des Vehikels sei „gewöhnungsbedürftig“ – vor allem im Vergleich zum nostalgisch anmutenden Vorgänger, der Kurbahn „Thermelinchen“, bestätigten sowohl Kammer als auch Uwe Winter, Geschäftsführer der Kurgesellschaft und der BBM, der hervorhebt: „Kein Lärm, kein Abgas.“ Über eine Gestaltung der Fenster mit Folien werde noch diskutiert. Auch die Frage, ob die Solarbahn so wie ihre Vorgängerin einen werbeträchtigen Kosenamen erhält, ist noch unklar. „Wenn möglich, würde ich den Namen Thermelinchen beibehalten, weil er auf den touristischen Kern Bevensens hinweist“, erklärte Kammer.

Von Wiebke Brütt

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