Polizeigewerkschaft spricht von „Erosion des Rechtsstaates“ / Prozess in Lüneburg

Skrupellose Familienclans: Prozess vor dem Landgericht läuft

Lüneburg. Eine wilde Schießerei vor dem Lüneburger Klinikum, Jagdszenen durch die Lüneburger Kinderklinik, in Uelzen sorgt die sogenannte Douglas-Bande für Angst und Schrecken unter Geschäftsleuten.

Für die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sind Familienclans die gefährlichste Form der Organisierten Kriminalität; die Mitglieder akzeptieren weder Gesetze noch gesellschaftliche Regeln oder die Polizei, die GdP spricht deshalb von einer „Erosion des Rechtsstaates“.

Seit gestern sind vor dem Landgericht Lüneburg vier Mitglieder eines türkischstämmigen Familienclans unter anderem wegen versuchten Totschlags angeklagt. Sie sollen sich in Winsen/Luhe vor einem Supermarkt eine brutale Auseinandersetzung mit einem arabischen Clan geliefert haben. Die Lage eskalierte derart, dass zwei Polizisten ihre Dienstwaffen zogen, einer gab einen Warnschuss ab.

Der Vorfall ereignete sich bereits am 1. Oktober 2012 und war von der Staatsanwaltschaft Lüneburg zunächst vor dem Amtsgericht Winsen angeklagt worden. Doch das dortige Schöffengericht erkannte während der Vernehmung eines Polizisten die Tragweite der Tat und gab den Fall weiter an das Landgericht Lüneburg.

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Geschrei, Morddrohungen, mit Eisenstangen, Vorschlaghammer und Teppichmesser bewaffnete Mitglieder der beiden Familienclans stehen sich gegenüber, Werkzeug wie zum Beispiel ein Trennschleifer fliegt durch die Luft – diese Szenerie schildert gestern ein Polizist als Zeuge vor dem Lüneburger Schwurgericht. Vier Polizisten stehen rund einem Dutzend gewaltbereiten Männern gegenüber. Zwei vermeintliche Rädelsführer können die Beamten fesseln, doch dann brechen alle Dämme.

Drei der Angeklagten sollen abwechselnd immer wieder auf einen am Boden liegenden, mit Handschellen gefesselten Mann des anderen Clans eingetreten haben, mit voller Wucht, „wie ein Torwart beim Abschlag“, schildert der Polizist, auch gegen den Kopf.

Drei der Angeklagten, die unter anderem vom prominenten Hamburger Strafverteidiger Uwe Maeffert vertreten werden, schweigen, einer gibt seine Version der Abläufe zum besten. Der andere Clan habe Kontakte zum Islamischen Staat, behauptet er und räumt ein, selbst ein Schwert im Kofferraum mitgeführt zu haben.

Die Themenseite zu Familienclans – am Mittwoch im E-Paper und in der Printausgabe der AZ.

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