Prozess: Uelzener Schausteller sollen Arbeiter angekettet haben

„Sklave“ auf Rummel?

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tm/rast Uelzen/Lüneburg. „Moderne Sklaverei“ wirft ein Rechtsanwalt zwei Uelzener Schaustellern, Vater und Sohn, vor – und will vor dem Lüneburger Arbeitsgericht für 13 Jahre eine Lohnnachzahlung von 190 800 Euro für seinen Mandanten erstreiten.

Die Karussellbetreiber hätten den Polen geschlagen und sogar an Fahrgeschäfte angekettet, behauptete der Anwalt am ersten Verhandlungstag.

Für die 4. Kammer stehen dabei nicht die strafrechtlichen, sondern die arbeitsrechtlichen Aspekte im Mittelpunkt. 13 Jahre soll der Arbeiter für die Schausteller malocht haben. Die hätten ihm zugesagt, den Lohn anzusparen, bis er wieder in seine Heimat zurückkehre, das Geld habe der Mann aber nie gesehen. Stattdessen sei er mit Unterkunft, Kleidung und Verpflegung abgespeist worden. Erst in den letzten drei Jahren habe er zehn Euro Taschengeld pro Woche bekommen.

Der Pole war nach eigenen Angaben sieben Tage die Woche von früh morgens bis in die Nacht auf den Beinen. Im Winter seien dann die Fahrgeschäfte auf Vordermann gebracht worden, außerdem habe es noch viel Arbeit auf dem Hof des Schausteller-Vaters gegeben.

Der Uelzener hat zwischenzeitlich einen Strafbefehl wegen Hinterziehung von Sozialbeiträgen bezahlt, da der polnische Arbeiter auch nicht angemeldet war. Die Anwälte des Beklagten gaben zu bedenken, dass die Vorwürfe bis zum Jahr 2008 womöglich schon verjährt seien. Und was eine mögliche Lohnnachzahlung angeht, baute der Verteidiger schon einmal vor: „Mein Mandant hat kein Geld“.

Das Verfahren wird am Dienstag, 25. März, vor dem Landgericht Lüneburg fortgesetzt, womöglich wird dann bereits ein Urteil gesprochen.

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