„Sie waren das Herzstück“

Wohin führt die Reise für die Uelzener Eisenbahngesellschaft Metronom? Mitarbeiter fürchten, dass mit den Geschäftsführern auch die Kundenqualität geht.Archivfoto: Mahler

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. „Geleitet wird das Unternehmen metronom Eisenbahngesellschaft mbH vom Technischen Geschäftsführer Dr. Carsten Hein und vom Kaufmännischen Geschäftsführer Henning Weize.“ Auf der Homepage der Uelzener Firma waren die beiden Gründungsväter des Metronom gestern noch immer als Chefs aufgeführt, doch seit Dienstagabend sind sie nicht mehr im Amt. Seitdem rätselt die Belegschaft, warum Hein und Weize vor zwei Tagen um 17 Uhr ihre Büros schlagartig räumen mussten.

Denn die beiden engagierten Geschäftsführer waren mit dem Metronom auf der Erfolgsschiene, das räumen auch Kritiker ein. Im Bereich des Kundenservice setzten sie mit ihrer Qualitätsstrategie neue Maßstäbe, konnten Jahr für Jahr neue Rekorde bei den Fahrgastzahlen vorweisen und schafften es, ihre besondere Philosophie des Servicegedankens den rund 320 Mitarbeitern zu vermitteln.

Reibereien mit verschiedenen Gesellschaftern könnten Weize und Hein letztlich zum Verhängnis geworden sein, wird in Insiderkreisen vermutet – und wenn es um Macht in einem knallharten Wettbewerb gibt, retten auch eine hohe Kundenzufriedenheit und prächtige Bilanzen nichts mehr.

Aus Mitarbeiterkreisen heißt es, Anlass sei womöglich eine Kündigung des IT-Vertrags mit der Osthannoverschen Eisenbahnen (OHE), die für das IT-Netz der Metronom-Gesellschaft zuständig war. Mit der IT habe es seit längerem massive Schwierigkeiten gegeben.

Die OHE ist Gesellschafter der Metronom Eisenbahngesellschaft und gehört zum Großteil der britischen Nahverkehrsgesellschaft Arriva, die am Donnerstag einem Übernahmeangebot der Deutschen Bahn zustimmte.

Außerdem sollen sowohl der Benex (Hamburger Hochbahn) als auch dem Mutterkonzern Arriva die Metronom-Löhne schon länger ein Dorn im Auge gewesen sein. Denn auch bei der Bezahlung der Mitarbeiter hat Metronom Maßstäbe gesetzt, das Uelzener Unternehmen hat den bestdotierten Stellen aller Privatbahnen. Auch um den Aufbau eines eigenen Vertriebsnetzes für den Fahrkartenverkauf soll es Unstimmigkeiten gegeben haben.

Zurück bleibt eine schockierte Belegschaft und die Befürchtung, dass die ganz besondere Metronom-Philosophie der besonderen Qualität auf der Strecke bleiben könnte. „Die beiden waren das Herzstück dieser Mannschaft, es kann doch nicht wahr sein, dass das jetzt alles wegen politischer Spielchen den Bach heruntergehen kann“, sagt ein Fahrgastbetreuer zur AZ.

Derweil warnt der Fahrgastbeirat vor einem Strategiewechsel bei Metronom. „Es ist zu befürchten, dass die Unternehmensgewinne zulasten der Qualität gesteigert werden sollen“, sagt Klaus Steinfatt vom Fahrgastbeirat. Der Beirat vermutet als Grund für die Entlassungen einen Konflikt zwischen den Anteilseignern der Eisenbahngesellschaft und dem Metronom-Management über die Strategie des Unternehmens und über die Höhe der abzuführenden Gewinne.

„Für die gute Qualität wurde bei Metronom viel Geld ausgegeben, denn Qualität hat ihren Preis. Das kam zwar den Fahrgästen zugute, schmälerte aber den Gewinn für die Anteilseigner“, weiß Steinfatt. Und weiter: „Der kometenhafte Aufstieg der metronom Eisenbahngesellschaft basierte auf einer konsequenten Qualitätsstrategie. Der Unternehmenserfolg ist untrennbar mit den Herren Hein und Weize verbunden.“

Steinfatt fordert das Land Niedersachsen im Namen des Fahrgastbeirates auf, „Pünktlichkeit, Sauberkeit und Kundenorientierung bei Metronom jetzt genau zu beobachten, um bei Fehlentwicklungen sofort handeln zu können“.

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