Auseinandersetzung ums Alte Rathaus: Fachleute verteidigen Gestaltung der Arkadenseite

Die Sicht von Laien und Experten

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Wegen der neuen Tür- und Fensterelementen an der Seitenfassade des Alten Rathauses in Uelzen zürnen derzeit zahlreiche Bürger.

Uelzen. Die Emotionen kochen hoch wegen der Gestaltung der ehemaligen Arkadenseite des Alten Rathauses: eine Aluminiumtür und bodentiefe Fenster sorgen für Aufruhr in Teilen der Bevölkerung.

Allerdings: Stadt, Gebäudemanagement und auch der Architekt des Projektes, Bernd Pauker aus Dannenberg, vertreten die Gestaltung, die aus fachlicher Sicht nicht zu beanstanden sei.

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In Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde habe man sich für die vorhandenen Tür- und Fensterelemente entschieden, die eine einladende und offene Verbindung zwischen Innen und Außen darstellen und den Platz am Gebäude beleben sollen. Das ist von Stadt und dem Betreiber des Cafés, das dort einziehen wird, so gewollt, betont auch Stadtsprecherin Ute Krüger.

Als hätte er das Ende der Arkaden geahnt: Joachim Hagenow malte in den 1970er Jahren dieses Bild mit Bohrhammer.

Ein Aspekt der Denkmalpflege sei es, Neues an einem Gebäude auch als solches kenntlich zu machen, betont Eckhardt Meier, Leiter des Gebäudemanagements. Das sei mit der aktuellen Gestaltung geschehen. „Aber bewusst sehr zurückhaltend“, so Meier. Außerdem habe man die Arkaden, zu denen offensichtlich viele Uelzener eine emotionale Verbindung hegen, nicht allein deswegen abgebaut, weil sie nicht original klassizistisch wie das übrige Gebäude sind. „Die Arkaden waren baufällig“, betont Eckhardt Meier. Und Architekt Pauker ergänzt: „Eine Sanierung war nicht möglich, die Arkaden waren nicht mehr tragfähig.“ Im Übrigen sei man mit der aktuellen Gestaltung wieder näher an den ursprünglichen Zustand des aus den Jahren 1789/90 stammenden Alten Rathauses herangerückt, das einst ohne Arkaden gebaut worden war. Diese kamen erst in den 1930er Jahren hinzu, als in der heutigen Fußgängerzone noch Autos fuhren und Fußgängern ein gefahrloses Passieren dieses Bereichs ermöglicht werden sollte.

Eckhardt Meier hätte niemals gedacht, dass die Gestaltung dieser Fassadenseite – aus Sicht von Stadtbaurat Karsten Scheele-Krogull eine „untergeordnete Fassade“ – eine solche Aufregung in der Bevölkerung verursachen würde. Aus fachlicher Sicht sei daran nicht zu rütteln, „aber man verliert vielleicht ein wenig den Blick dafür, wie die Sicht von Laien ist“, sagt er. Und auch Scheele-Krogull räumt ein: „Die Brisanz an dieser Stelle ist nicht erkannt worden. Man hätte das im Vorfeld näher erläutern sollen.“

Aus Sicht von Stadt, Gebäudemanagement und Architekt sollte die Gestaltung trotzdem bleiben, wie sie ist. Dem Bauausschuss der Stadt werden dennoch Alternativen zu Tür und Fenstern vorgestellt. Wie man damit dann umgehen will – vor allem vor dem Hintergrund zusätzlicher Kosten –, ist eine Entscheidung der Politik.

Von Ines Bräutigam

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