Tochter missbraucht? Showdown vor dem Urteilsspruch

Das Urteil im Landgericht soll nun am 2. Mai fallen.

rast Uelzen/Lüneburg. Haben es Richter mit Schauspielern zu tun, die gar von Hollywood träumen, fühlen sie sich leicht in eine andere Welt versetzt? ,,The Other World“ hieß auch das ehrgeizige Filmprojekt einer heute 20 Jahre alten Uelzenerin, die 2009 als Autorin und Schauspielerin den amerikanischen Produzenten Fred A. Wyler für ihre Idee begeistert hatte.

Das Vorhaben des aufstrebenden Talents scheiterte im Juli 2009. Damals erzählte sie ihrer leiblichen Mutter, dass ihr Vater sie missbraucht habe. Gestern sollte das Urteil von der 2. Großen Jugendkammer am Lüneburger Landgericht gesprochen werden. Doch wie in einem guten Hollywood-Streifen wurde es vor dem Showdown noch einmal richtig spannend. Staatsanwältin und Verteidiger hatten bereits in der vergangenen Woche ihre Plädoyers gehalten, die Anklage forderte für den 45 Jahre alten Vater wegen sexuellen Missbrauchs in acht Fällen vier Jahre und sechs Monate Gefängnis, der Anwalt des die Taten abstreitenden Angeklagten Freispruch.

Doch der 45-Jährige, der am Filmprojekt seiner Tochter mitwirkte, sorgte kurz vor dem Finale für eine Überraschung, präsentierte gleich drei Beweisanträge. Sie alle verfolgen ein Ziel: Die Tochter unglaubwürdig erscheinen zu lassen. Eine Tat soll sich laut der jungen Frau Ende 2006, als sie etwa 15 Jahre alt war, ereignet haben. Sie sagte aus, dass ihr Vater sie damals beim Sex filmen wollte.

Der zückte gestern einen Lieferschein für eine Kamera mit einem Datum von Juni 2007. Die Geschichte der Tochter könne also nicht stimmen. Damit konfrontiert, äußerte das mutmaßliche Opfer, es hätten für die von ihr geleitete Film-AG am Uelzener Herzog-Ernst-Gymnasium zwei Kameras existiert, auch die zweite Kamera habe sie mit nach Hause genommen.

Zu einer weiteren Tat soll es Pfingstsonntag 2009 gekommen sein. Nach der Aussage der Tochter sei sie an dem Abend mit ihrem Vater in eine Uelzener Gaststätte gegangen, habe dort zwei Freunde getroffen. Danach sei es zum Geschlechtsverkehr mit dem Vater gekommen.

Die Freunde konnten sich gestern zwar an das Zusammentreffen erinnern, das allerdings sei zu einem anderen Zeitpunkt gewesen – an welchem, daran aber konnten sie sich nicht erinnern.

Während die Staatsanwältin ihre Anklage als bestätigt ansieht und auch in ihrem zweiten Plädoyer nicht von der Forderung nach vier Jahren und sechs Monaten Haft abging, zielte Verteidiger Helmut Springer erneut auf Freispruch ab und schoss gegen die Tochter: ,,Ihre Aussagen werden weicher und schwammiger bei den Punkten, die wir überprüfen können.“ Nur ein zweites Glaubwürdigkeitsgutachten könnte eine Klärung bringen.

Das Urteil soll nun am 2. Mai gesprochen werden. Doch zuvor soll die junge Frau noch Unterlagen einreichen, die beweisen, wann sie über die Kameras verfügen konnte – und danach müssen Anklägerin und Verteidiger ihre Plädoyers ein drittes Mal halten.

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