IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert sieht noch Potenzial für die Uhlenköperstadt als Wirtschaftsstandort

Zum Shoppen von Hamburg nach Uelzen

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IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert: „Uelzen muss sich seiner Stärken bewusst werden.“

Lüneburg/Uelzen. Welche Chancen haben die Uelzener Geschäfte? Was bringt die Autobahn? Was tun gegen den Fachkräftemangel? Über diese und weitere Fragen hat AZ-Redakteur Gerhard Sternitzke mit Michael Zeinert, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg, gesprochen.

Herr Zeinert, Sie haben Ihren Sitz in Lüneburg. Was kann Uelzen von der Hansestadt lernen? 

Die wirtschaftliche Entwicklung von Lüneburg war in den letzten Jahren vor allem von der Nähe zu Hamburg geprägt. Ich glaube, das ist einer der wichtigsten Aspekte, die Uelzen auch betreffen können. Es ist dort mit dem Einzelhandelskonzept für Uelzen eine Menge auf dem Weg, die Einkaufsstadt Uelzen lebenswerter und liebenswerter zu machen. Aufgrund der guten Bahnanbindung nach Hamburg kann die Stadt es auch schaffen, Hamburger zu gewinnen. Ich glaube, dass gerade verkaufsoffene Sonntage dazu geeignet sind.

Was lockt Hamburger nach Uelzen? 

Die Fahrzeit mit dem Zug ist eine knappe Stunde. Uelzen muss sich seiner Stärken bewusst werden, denken wir an den Weinmarkt oder die Eisfläche auf dem Herzogenplatz.

Für wie realistisch halten Sie das Projekt Ilmenaustadt?

Das ist auf jeden Fall ein ambitioniertes Projekt. Es wird sicherlich etwas länger dauern, um es zu realisieren. Die Erfahrung zeigt aber auch, dass es gerade ambitioniertere Investitionsprojekte sind, die in der Lage sind, Kräfte zu mobilisieren. Die Chancen sind bestechend.

Welche Möglichkeiten haben die Geschäfte in der Uelzener Innenstadt, um gegen die Konkurrenz durch den Online-Handel zu bestehen? 

Der Anteil des Online-Handels beträgt derzeit zehn Prozent vom Gesamtumsatz. Das heißt, 90 Prozent sind nach wie vor beim stationären Handel. Trotzdem ist das ein wichtiger Wettbewerbsfaktor für den Einzelhandel in den Innenstädten. Ich glaube, es kommt darauf an, die Chancen zu sehen, die man als stationärer Einzelhandel mit Online-Angeboten hat. So ist es gerade im ländlichen Raum möglich, das Thema Hauslieferung mit Online-Angeboten stärker zu befeuern. Gerade kleine Städte wie Uelzen haben eine Chance, weil sie ein sehr differenziertes Angebot haben. Das stationäre Einzelhandelsgeschäft hat immer noch den Vorteil, dass die Ware betrachtet, angefasst, gerochen werden kann.

Haben die Firmeninhaber die Zeichen der Zeit erkannt? 

Der Einzelhandel ist eine der dynamischsten Branchen überhaupt. Wir haben eine durchschnittliche Lebenszeit von acht Jahren. Es kommen immer wieder junge Händler nach, die ihre Erfahrungen in Einzelhandelsgeschäften gesammelt haben, die sich auch mit dem Nebeneinander von stationärem und Online-Handel bestens auskennen. Für andere sind die aktuellen Veränderungen eine große persönliche Herausforderung sind. Wir versuchen mit Informations- und Weiterbildungsveranstaltungen dagegenzuhalten.

Was bringt die Autobahn wirklich? Es gibt ja auch viele Regionen, an denen der Wirtschaftsverkehr vorbeirauscht. 

Wir setzen darauf, dass insbesondere die Stadt Uelzen, aber auch der Landkreis davon profitieren. Der Hafen Uelzen ist eines der Gebiete, wo wir die größten Entwicklungspotenziale sehen und wo es die größten Flächenreserven gibt. Wir hätten dann einen trimodalen Standort, der über Wasser, Schiene und dann die Autobahn hervorragend angebunden ist. Das wird dazu führen, dass sich Veredlungsgewerbe und Logistikbetriebe ansiedeln können. Uelzen wird attraktiver als Wohnstandort für Arbeitskräfte, junge Familien. Davon wird der Einzelhandel profitieren.

Tun Stadt und Landkreis genug, um Firmenansiedlungen zu fördern und die bestehenden Unternehmen zu halten? 

Nach unserer Einschätzung tut der Landkreis, die Wirtschaftsförderung alles, was man tun kann. Der wichtigste Aspekt ist der Breitbandausbau. Da agiert der Landkreis vorbildlich und ist Vorreiter in Niedersachsen. Das größte Thema kann man nur gemeinsam angehen, das ist die Fachkräfteversorgung. Es geht darum, bei zurückgehender Bevölkerungszahl gute Schulangebote zu erhalten, um langfristig für junge Familien attraktiv zu bleiben.

Welchen Effekt haben in diesem Zusammenhang die beiden Hochschulen – Leuphana Lüneburg und Ostfalia in Suderburg?

Sie führen dazu, dass junge Menschen, die in der Region aufgewachsen sind, gerne hier bleiben. Und sie bieten eine Chance, dass wir Studenten aus anderen Regionen binden. Hier arbeiten wir mit der Leuphana-Universität zusammen, indem wir Praktikumsplätze anbieten.

Beispiel Marktcenter: Zeigt der Fall, dass Uelzen für größere Ansiedlungen wie einen zweiten Elektromarkt nicht interessant ist? 

Natürlich ist es bedauerlich, dass kein attraktiver Ankermieter gefunden wurde. Aber auch Drogeriemärkte ziehen Kunden. Es bleibt wichtig, dass die Anbindung zur Innenstadt gegeben ist, damit es der Kunde leicht hat, noch schnell eine Kleinigkeit in der Innenstadt zu kaufen.

Ist der Tourismusstandort Bad Bevensen ausgeschöpft? 

Der Standort hat auf jeden Fall Potenzial für weitere Entwicklung. Man muss in dem Zusammenhang die Autobahn erwähnen. Touristen treffen relativ kurzfristig ihre Reiseentscheidungen. Eine Umfrage in der Therme hat gezeigt, dass das Publikum jünger ist als erwartet. Von daher stellt sich die Frage, ob man auch für Jüngere Angebote macht.

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