Sind sie das große Risiko auf unseren Straßen? / Verkehrswacht-Vortrag

Senioren hinterm Steuer

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Uelzen/Landkreis. Wenn ältere Autofahrer einen Unfall bauen, dann kommt oft die Frage auf, ob Senioren generell noch fähig sind, einen Wagen sicher durch den Verkehr zu lenken.

Forderungen reichen vom Einzug des Führerscheins ab einem bestimmten Alter bis hin zu regelmäßigen Fahrtauglichkeitsprüfungen. Gerade hat Hamburgs Innensenator Michael Neumann (SPD) wieder Öl ins Diskussions-Feuer gegossen. Nach Medienberichten fordert er regelmäßige, obligatorische Gesundheitschecks für Autofahrer. Ab 2013 wird der Führerschein auf 15 Jahre befristet ausgestellt, parallel dazu könnten die ärztlichen Tests verpflichtend werden, findet Neumann.

Passend zur Debatte geht es auch bei der Jahreshauptversammlung der Verkehrswacht für Stadt und Kreis Uelzen am Montag, 16. April, um die Senioren und ihre Tauglichkeit hinterm Steuer. In einem Vortrag will Heinz Jürgen Kaiser, emeritierter Professor der Psychogerontologie, dazu Stellung nehmen. Als Wissenschaftler, der das Alter und das Altern untersucht, hat er sich unter anderem mit dem Verhalten und den Bedürfnissen von Senioren im Straßenverkehr beschäftigt.

Weil Wissenschaft und Politik aber nicht alles sind, müssen vor allem die Bescheid wissen, die tagtäglich auf den Straßen unterwegs sind und richtiges Fahren lehren. Fahrlehrer aus dem Kreis Uelzen sind sich bei einem einig: Senioren den Führerschein ab einem bestimmten Alter abzunehmen, sei gerade in einem ländlichen Raum wie Uelzen Unsinn. „Auch ältere Menschen müssen am gesellschaftlichen Leben teilnehmen dürfen und dazu müssen sie hier auf dem Land mobil sein“, meint Andreas Baumunk von der Fahrschule Schulz.

Pauschal verurteilen sollte man die Senioren sowieso nicht, meint Fahrlehrer Arno Scheele. „Natürlich haben viele Schwächen, zum Beispiel beim Sehen, Hören oder der Beweglichkeit. Aber die können sie oft durch Erfahrung oder mit Hilfsmitteln ausgleichen“, sagt Scheele. Inzwischen lassen sich tatsächlich viele Defizite beheben. Neben Brille und Hörgerät helfen auch technische Aufrüstungen am Auto, wie Einparkhilfen oder Automatikgetriebe. Hier erkennt Fahrlehrer Hans-Hermann Paarz aber auch ein klares Problem: „Die Neuerungen wie die Automatik überfordern manche Senioren.“ Und das ist nicht nur bei der Technik so. „Bei verkehrstechnischen Änderungen kommen ältere Fahrer manchmal nicht mehr mit. Die wissen zum Beispiel einfach nicht, wann sie im Kreisel blinken müssen“, erklärt Arno Scheele.

Darum werben viele der befragten Fahrlehrer für Verständnis bei der jüngeren Generation. „Ältere Menschen fahren besonders vorsichtig. Und wenn einer mit 40 statt 50 fährt, dann muss man Geduld haben und sich nicht provozieren lassen“, meint zum Beispiel Andreas Baumunk. Häufig passierten Unfälle dann, wenn andere gestresst auf vorsichtiges Fahrverhalten von Senioren reagieren.

„Außerdem liegt das Risiko für Senioren da, wo es unübersichtlich ist und besonders schnell geht im Straßenverkehr“, weiß Fahrlehrer Egon Wahrmann. Viele würden außerdem trotz Schwierigkeiten mit ihrer Erfahrung hinterm Steuer argumentieren und sich darum lange Zeit überschätzen, erklärt Fahrlehrer Markus Sellin. Darum halten viele der Befragten regelmäßige gesundheitliche Checks für sinnvoll und raten auch den Familien Defizite anzusprechen.

Seine wissenschaftliche Sicht zum Thema „Senioren am Steuer“ schildert Prof. Dr. Heinz Jürgen Kaiser am Montag, 16. April, um 19 Uhr im DRK-Zentrum Uelzen, Ripdorfer Str. 21. Zum Vortrag mit Diskussion sind Interessierte eingeladen.

Von Agnes Heitmann

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