Uelzener Botaniker Paul Lamkowski macht eine bemerkenswerte Entdeckung – es ist nicht die erste

Seltenes Kraut in der Wipperau

+
Paul Lamkowski mit seinem Hund Rexi in der Wipperau. Dort entdeckte der Botaniker das seltene Gewächs Fluss-Pferdesaat. In Deutschland gilt es eigentlich als verschwunden.

Uelzen. Für den Laien ist es ein grünes Kraut in der Wipperau. Für den Uelzener Botaniker Paul Lamkowski hingegen eine kleine Sensation. Die sogenannte Fluss-Pferdesaat gilt gemeinhin in Deutschland als nicht mehr existent. So sagt es Lamkowski.

„In der Literatur wird es bei uns mehr oder weniger als ausgestorben bezeichnet. “ Die Wipperau habe sich als guter Standort für die Fluss-Pferdesaat erwiesen, sagt der Fachmann. An mehreren Stellen in dem Uelzener Fluss hat er das Gewächs entdeckt. Bis zu drei Meter lang werden die Triebe unter Wasser. Verwandt ist die Pflanze übrigens mit der Möhre.

Mit seinem Hund Rexi hat sich der Botaniker in den vergangenen Wochen oft in das zum Teil unwegsame Gelände aufgemacht. Dabei stieß er dann auf den erstaunlichen Fund. „Es handelt sich um einen Ozeaniker, also eine Pflanzenart, die heiße Sommer und kalte Winter nicht verträgt“, weiß der Pflanzenexperte. Die Art profitiere von den zunehmend milden Wintern.

Anhand der geringen Größe der Pflanzen in der Wipperau sei aber auch zu erkennen, dass sich die Fluss-Pferdesaat hier und fernab ihres eigentlichen Verbreitungsgebietes nicht sonderlich wohlfühle.

Vor einigen Wochen hat Lamkowski bereits eine erstaunliche botanische Entdeckung in Uelzen gemacht. Am Elbe-Seitenkanal hat er eine seltene Orchideenart entdeckt. Die Sumpf-Sitter steht in Niedersachsen auf der Roten Liste der gefährdeten Spezien. An 71 Standorten hat Paul Lamkowski auf 13 Kanalkilometern beidseitig zwischen Bad Bevensen und Groß Liedern die Pflanze entdeckt. Eine ähnlich große Population gebe es im ganzen Landkreis nicht, so der Wissenschaftler.

Unlängst war der 29-Jährige auf einem Symposium in Sibirien. Sein Spezialgebiet sind Torfmoore. In Khanty-Mansiysk (rund 2000 Kilometer östlich von Moskau) nahm er an einem internationalen Torfmoos-Symposium der dortigen Yugra State University teil. „Wir waren viel unterwegs. Die Landschaft ist beeindruckend.“ Dort gebe es eben noch Flüsse, die noch nicht begradigt seien wie in Mitteleuropa. Oder ursprüngliche Wälder, die alle 100 Jahre abbrennen, wie er sagt. „Das ist einfach nur natürlich.“

In der Torfmoorforschung sieht der Uelzener auch seine berufliche Zukunft. Viele Moore gerade auch in Niedersachsen würden wieder reaktiviert.

Von Jens Schopp

Kommentare