Händler registrieren verändertes Kaufverhalten

Schwierige Wiedergeburt: Gähnende Leere beim Uelzener Topfmarkt 

Für Einkäufe haben die Händler reichlich Waren aufgefahren, doch die Zahl der Besucher ist überschaubar. Foto: Huchthausen

Uelzen. Aus Braunschweig ist Matthias Plötz angereist – mit einem Anhänger voll Töpfe, Pfannen und Emaille-Geschirr. Nur die Fahrt nach Uelzen und wieder nach Hause kostet ihn 35 Euro für Benzin.

Als er am Donnerstagnachmittag mit zwei Freunden den Anhänger wieder belädt, muss Plötz gestehen, dass er durch den Verkauf von Waren „noch nicht einmal“ die Spritkosten wieder reinholen konnte. Matthias Plötz war einer der Händler des ersten Topfmarktes nach gut einem Jahrzehnt in Uelzen. Über viele Jahre war der Markt auf dem Albrecht-Thaer-Gelände der Treffpunkt für Menschen schlechthin. Die Zahl der Besucher bei der Neuauflage im Rahmen des diesjährigen Ostermarktes auf dem Gelände ist dürftig. Plötz sagt: „Es hätte lebhafter sein dürfen“. Kommen würde er aber wieder, wenn es im nächsten Jahr wieder einen Topfmarkt gäbe. Die Idee so sei gut.

Über eine Fortsetzung wird noch entschieden. Der Uelzener Schausteller-Verband wird beraten. Ulrich Mantau vom Verband nennt die Neuauflage in diesem Jahr ein „Experiment“. Der Topfmarkt sei über Jahrzehnte eine Institution gewesen. „Aber wer der jungen Leute weiß das noch?“, so Mantau. Die Neuauflage des Topfmarktes, der früher immer donnerstags auf dem Albrecht-Thaer-Gelände zu besuchen war, wurde in das Programm des Ostermarktes integriert, der sich erstmals mit Fahrgeschäften, Losbuden und Essensständen über eine ganze Woche erstreckt. Die Stadt hat das auf Antrag für zunächst ein Jahr genehmigt. Mantau erklärt die Hintergründe: Der Auf und Abbau sei zeit- und kostenintensiv. Längere Stellzeiten machten es leichter, Umsätze zu erzielen. Die Tage des Rummels – bis Sonntag geht das Treiben (siehe Auf einen Blick) – wollte der Verband durch weitere Veranstaltungen noch weiter aufwerten. Doch ist der Topfmarkt ein Besuchermagnet? Ingrid Höft aus Suderburg hat am Donnerstagmorgen eine klare Meinung: „Ich bin sehr enttäuscht. Ich kenne den Markt noch aus früherer Zeit. Da brauchte man den halben Nachmittag, um alles anzuschauen, aber hier ist überhaupt nichts.“

Sieben Stände sind abzulaufen. Plötz ist der einzige Topfhändler. Organisator Ulrich Mantau räumt ein, dass es „schwierig“ gewesen sei, überhaupt Händler für den Tag zu finden. Er habe Händler angefragt, auch über den Dachverband der Marktbeschicker habe er sein Glück versucht. Schließlich sei ihm mit Hilfe eines Uelzeners vom Wochenmarkt gelungen, noch Beschicker zu finden. Standmiete müssen sie beim Topfmarkt nicht bezahlen.

Günther Baalcke, er verkauft am Donnerstag Gemüseschneider auf dem Albrecht-Thaer-Gelände, berichtet, dass er damals glücklich gewesen, wenn einen Platz beim Topfmarkt erhielt. Jetzt steht er mit anderen ziemlich verloren auf dem Platz, ohne dass viele Besucher den Weg zum Topfmarkt finden.

Moniert wird von den Händlern unter anderem, dass zu wenig Werbung von den Organisatoren gemacht wurde. Baalke nennt aber auch noch einen anderen Grund: „Heute kaufen die Leute ja lieber im Internet für den doppelten Preis und dann kommen sie hierher und lassen sich von mir die Bedienung zeigen.“

Von Norman Reuter und Oliver Huchthausen

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