Der Zahntechniker übernimmt Aufgaben vieler Handwerksberufe

Schweißen und schmieden

Die sorgfältige Vorbereitung des Gipsabruckes ist Voraussetzung für die Präzisionsarbeiten der Zahntechnik.

Uelzen. Für die Zahntechnik hat der Spruch „Handwerk hat goldenen Boden“ eine gänzlich neue Bedeutung erhalten. Die professionelle Bearbeitung des Edelmetalls konnte diesen Beruf zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts revolutionieren.

Bis heute noch hat das Zahngold eine besondere Bedeutung beim Zahnersatz, das sich jedoch gerade in den vergangenen Jahren – wegen erheblich günstigerer Produktionskosten zum Vorteil für den Patienten – von industriell hergestellten Materialien verdrängen lässt. „Und das Kautschuk“, berichtet Meike Grieger, Sprecherin der Zahntechniker-Innung. Die Entdeckung des Rohstoffes ermöglichte die Herstellung funktionierenden Zahnersatzes, der auch für weniger wohlhabende Menschen bezahlbar war.

Lutz Wolf

Zuvor quälten sich die Menschen jahrtausendelang mit provisorischen „Ersatzteilen“. Als Elisabeth I. von England 1570 keine Zähne mehr hatte, stopfte sie ihre Wangen mit Tüchern aus und steckte Stoffröllchen unter die Lippen bei öffentlichen Auftritten. Im 17. Jahrhundert hatte „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. von Frankreich seine politischen Entscheidungen unter schlimmsten Schmerzen zu treffen, weil es keine geeignete Behandlung seiner Zahninfektion gab. 1796 musste sich George Washington, der erste Präsident der Vereinigten Staaten, den letzten Zahn ziehen lassen und litt unter seiner schlecht sitzenden Prothese, einer mit Bienenwachs überzogenen Bleiplatte.

Handwerk dient der Medizin: Entzündliche Erscheinungen am Zahnfleisch werden heute von der Wissenschaft für vielfache organische Erkrankungen als Auslöser angesehen, berichtet Lutz Wolf, Obermeister der Zahntechniker-Innung Niedersachsen-Bremen. Studien zur Gesundheit in der Mundhöhle stellen die vielfachen Wechselwirkungen von Erkrankungen in der Mundhöhle mit allgemeinen Erkrankungen, wie Atemwegerkrankungen, umfangreiche Herz-Kreislauf-Schädigungen und Diabetes fest. Nur eine enge Abstimmung des Zahnarztes mit dem Zahntechnikermeister können die funktionellen, aber auch die ästhetischen Ziele einer medizinischen Zahnversorgung sicher stellen. Filigrane Arbeiten entstehen auf der „Werkbank“ des Zahntechnikers.

Der Beruf des Zahntechnikers wird von einer unkundigen Öffentlichkeit nicht als Handwerksberuf gesehen, sondern eher den Gesundheitsberufen zugeordnet. Im zahntechnischen Labor vereinigt der Beruf Tätigkeiten der unterschiedlichsten Berufe: Gießereifacharbeiter, Galvaniseur, Zerspanungstechniker, Schweißtechniker, Schlosser, Keramiker, Feinmechaniker, Goldschmied und im Hinblick auf die Ästhetik ist der Zahntechniker auch ein Künstler. Umfangreiches Wissen über die Zusammensetzung, Beschaffenheit, und Eigenschaften von Materialien wie Wachs und Gips, über einfache und High-Tech-Kunststoffe aber auch hochfeste Spezial-Keramiken, stahlähnlichen bis hin zu hochedlen Goldlegierungen gehört zur Ausbildung des Zahntechnikergesellen.

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