Richtfest an neuem Domizil des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes

Schule wird Sozialzentrum

Zünftig: Kein Richtfest ohne Kranz und Schnäpschen auf dem First.

Uelzen. Der Zimmermann holte tief Luft und hob sein Glas. „Gesegnet sei das neue Haus und die da gehen ein und aus. “ Sprach’s, nahm den Hammer und zerschmetterte damit sein Schnapsgläschen.

Zünftig feierten Eigentümer, Architekten und Gewerke gestern Nachmittag Richtfest an der Veerßer Straße 92 in Uelzen: Denn hier wird seit November vergangenen Jahres die ehemalige Berufsbildende Schule II – im Volksmund auch Ackerbauschule genannt – in ein Domizil für den Kreisverband des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes umgebaut.

Alles unter Dach und Fach: Geschäftsführerin Schwarz und Architekt Martens sind zufrieden. Fotos:  Ph. Schulze

Dort, wo einst Hauswirtschaftsschüler gepaukt haben, werden im Sommer dieses Jahres die Verwaltungsmitarbeiter des Paritätischen einziehen. Dort, wo einst die Kreisbildstelle ihr Archiv mit den alten Rollregalen hatte, wird die Pflegedienstleitung arbeiten. Und die Tür zum ehemaligen Büro von Uelzens Chronisten und Fotografen Dieter Pietsch ist längst zugemauert worden – eine neue Eingangssituation musste her. Rund 2,6 Millionen Euro – inklusive des Kaufpreises – investiert der Paritätische in das Projekt, das neben der Verwaltung auch eine Sozialstation für einen ambulanten Pflegedienst, eine Tagespflege mit 16 Plätzen sowie Mietwohnungen beherbergen wird. „Der Westflügel mit den Wohnungen“, kündigt Architekt Heinz-Joachim Martens zuversichtlich an, „wird Ende Juni fertig sein, der Bürotrakt Ende August.“

Für die Geschäftsführerin des Paritätischen Gudrun Schwarz und ihre Mannschaft sind die rund 1600 Quadratmeter, die – insklusive Wohnungen – an der Veerßer Straße künftig zur Verfügung stehen werden, „ein Quantensprung“ im Vergleich zu den jetzigen, beengten Räumen an der St.-Viti-Straße. Apropos Wohnungen: Fünf der neun Dachgeschoss-Domizile, die allesamt einen neuen Balkon in Richtung Bohldamm und Hölzerner Schlüssel erhalten und barrierefrei sein werden, sind bereits vergeben.

Der lange Winter konnte den Bauarbeiten in dem einstigen Schulgebäude übrigens nichts anhaben. Die Fassade bleibt wie sie ist, nur die Fenster werden erneuert. Alle weiteren Gewerke arbeiten im Innern. „Bis Ende März lief sogar noch die alte Heizung“, verrät Architekt Martens, sodass die Handwerker nicht mal frieren mussten.

In wenigen Tagen werden dann auch die letzten Spuren der einstigen Nutzung verschwinden, denn der Innenausbau läuft auf Hochtouren: Bunte Handabdrücke, die ehemalige Schüler auf den Wänden hinterlassen hatten, werden übermalt, die knarzende Holztreppe wird sorgsam aufgearbeitet und Trockenbauwände sowie zwei neue Aufzüge werden die alten Grundrisse schnell vergessen machen. Und Ende September, hofft Gudrun Schwarz, sehen sich dann wohl alle wieder: zur Einweihungsparty.

Von Ines Bräutigam

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