Polizei warnt Russisch sprechende Bürger vor Betrügern / Fünf Uelzener Senioren bereits Opfer

Schock-Anrufer aus Litauen

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Uelzen. Vor sogenannten „Schock-Anrufern“ warnt die Polizei der Region seit dem Frühjahr dieses Jahres.

„Seit mehr als einem halben Jahr agieren bundesweit mehrere vermutlich litauische Tätergruppen mit solchen ‘Schock-Anrufen’“, weiß Kai Richter, Pressesprecher der Polizeiinspektion Lüneburg. Im Juli dieses Jahres habe man bereits Täter in Hameln festnehmen können. Jetzt hat eine litauische Tätergruppe auch in der Region Uelzen zugeschlagen.

Insgesamt fünf Bürger haben sich im Laufe dieser Woche an die Polizei gewandt und angegeben, dass sie in den Nachmittags- beziehungsweise Abendstunden des vergangenen Montag einen Anruf in russischer Sprache bekommen hätten. Betroffen waren unter anderem Senioren im Alter von 55, 65, 73, 85 und 92 Jahren, die alle im Stadtgebiet von Uelzen wohnen.

Die Anrufer gaben sich in den Fällen unter anderem als Rechstanwalt aus und teilten mit, dass ein Angehöriger einen Verkehrsunfall gehabt hätte und dieser dringend Geld für eine Schadenregulierung bräuchte. In einem der Fälle ging der Angerufene auf das Anliegen ein und übergab den Tätern noch am Abend im Bereich der Luisenstraße in Uelzen einen Bargeldbetrag von mehreren tausend Euro.

Der Abholer des Geldes wird wie folgt beschrieben: männlich, etwa 20 Jahre alt, 165 cm groß, dunkle leicht gekräuselte Haare, gepflegter Eindruck. Der Mann trug eine dunkle, dicke Jacke. Sachdienliche Hinweise nimmt die Polizei Uelzen unter Telefon (05 81) 93 00 entgegen.

Bereits Anfang des Jahres hatte die Polizei in Stadt und Landkreis Lüneburg insgesamt sieben solcher Fälle registriert. Die Täter meldeten sich auch dort telefonisch bei ihren russisch sprechenden Opfern, gaben sich als Rechtsanwalt oder Arzt aus. Sie teilten mit, dass ein Angehöriger einen Unfall oder Schaden verursacht habe und nun einen fünfstelligen Betrag für Behandlungskosten oder Schadenwiedergutmachung zu zahlen habe. Im Gegenzug würde die Polizei nicht eingeschaltet werden, so dass der Verursacher „nicht ins Gefängnis muss“. Kai Richter: „Den geforderten Bargeldbetrag holten die Täter kurze Zeit später direkt bei den Opfern ab, die unter dem Schock des Anrufs auch Geldbeträge übergaben. Die Täter sprachen in allen Fällen fließend Russisch.“

Aufgrund der Taten in der Region initierte die Polizeiinspektion Lüneburg bereits im Sommer zusammen mit der Diakonie ein Präventionsblatt in Kyrillisch, um mit dieser Warnung insbesondere Russisch sprechende Bürger zu erreichen und diese aufzuklären. Neben der Publikation über die Medien legten Polizei und Diakonie die Warnhinweise insbesondere auch in den Kirchengemeinden aus. „Diese Maßnahme war im Bereich Lüneburg bereits von Erfolg gekrönt“, informiert Polizei-Sprecher Richter, „hier konnten mehrere Taten verhindert werden, weil die Menschen informiert waren.“

Die Polizei rät im Falle eines Anrufes, auf keine Forderung einzugehen und die Polizei zu informieren. Außerdem sollten Informationen über die Schock-Anrufer auch an Russisch sprechende Verwandte und Bekannte weitergegeben werden.

Von Ines Bräutigam

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