Elf „Cluster“ im Landkreis, 8700 Kilometer Glasfaserkabel, über 42 Millionen Euro Kosten

Fakten zum Breitbandausbau: Uelzens digitale Zukunft

+

Uelzen. Der Breitbandausbau der „unterversorgten Gebiete im Landkreis Uelzen“ ist das technische Großprojekt der nächsten Jahre im Kreis. Was genau steckt hinter dem Projekt? Die AZ hat Fragen und Antworten zusammengestellt.

Was heißt Breitband-Ausbau? 

Haushalte und Unternehmen bekommen eine leistungsstarke Glasfaser-Internetverbindung, die mit Übertragungsraten von mindestens 100 Mbit/s im Download heute schon heute Zukunftsfähigkeit verspricht.

Warum erfolgt der Ausbau durch den Kreis nur in unterversorgten Gebieten?

 Erst wenn private Unternehmen sagen, dass ein Gebiet für sie unrentabel ist, darf eine Kommune in die Bresche springen.

Was sind unterversorgte Gebiete? 

Gebiete im Landkreis, in denen in Gebäuden keine Internetverbindungen mit 30 Mbit/s bestehen. Im Kreis Uelzen sind das 18 000 von 33 000 Gebäuden. Die Quote von 54 Prozent ist nach Lüchow-Dannenberg (65 Prozent) die zweitniedrigste in Niedersachsen.

Wie erreicht das Glasfasernetz des Kreises die hohe Leistungsfähigkeit?

Im Gegensatz zu anderen Netzen reicht die Glasfaserverbindung bis zum jeweiligen Gebäude.

Wer kann sich an das Netz anschließen lassen? 

Zunächst alle Haushalte und Unternehmen in den unterversorgten Gebieten (siehe Karte).

Wie erfolgt der Anschluss? 

Betreiber für das Netz des Landkreises wird LüneCom. Das Unternehmen wird im kommenden Jahr in die Vorvermarktung gehen. Dann entscheidet jeder Bürger über den Ausgang des Projektes mit: Denn nur, wenn in den elf „Cluster“ genannten Gebieten des Landkreises (Karte) mindestens 60 Prozent der Haushalte sich für einen Anschluss bei LüneCom entscheiden, kommt in diesem Cluster das Glasfasernetz.

Was ist mit bestehenden Anschlüssen und Verträgen?

 Anschluss und laufender DSL-Vertrag bleiben trotz einer Entscheidung für den Anbieter LüneCom zunächst bestehen. Erst nach Ablaufen des Vertrages erfolgt der tatsächliche Wechsel zu LüneCom – durch die andere Technik nach Auskunft der Wirtschaftsförderung Uelzen ohne die verbreiteten Probleme bei einem Anbieterwechsel.

Wann kommt das Glasfasernetz?

Nach der Ausschreibung und Vergabe der Tiefbauarbeiten erfolgen diese Arbeiten und die Vermarktung der Anschlüsse nach und nach in den Clustern. Zuletzt teilte Landrat Dr. Heiko Blume mit, dass 2017 mit Vermarktung und Anschlüssen begonnen werde, und dass das Projekt 2019 abgeschlossen werden könne.

Was für ein Unternehmen ist LüneCom? 

Nordfriesische Inseln, Lüneburger Hafen, Oldenburg/Luhe – das Lüneburger Unternehmen für Kommunikationslösungen hat Erfahrung mit Projekten wie dem in Uelzen. Durch einen Pachtvertrag mit dem Kreis wird es in den bisher unterversorgten Gebieten in den nächsten 25 Jahren der Anbieter für das schnelle Internet und Telefonie sein. Seinen Kunden verspricht LüneCom „marktübliche Preise“.

Warum will der Kreis flächendeckend schnelles Internet? 

„Die Erreichbarkeit unserer Betriebe und Haushalte durch den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und der kommunikativen Netze“, formulierte der Kreis 2012 als strategisches Ziel. Leistungsstarke Internetanbindung, so die Auffassung, werde für das Berufs- und Privatleben immer bedeutender und somit zu einem Standortfaktor. Die Internetverbindung entscheide darüber mit, ob Unternehmen und Privatpersonen in Uelzen bleiben, hierherkommen – oder eben nicht.

Wie hoch sind die Kosten? 

Sollten alle elf Cluster ausgebaut werden, investiert der Landkreis „zuwendungsfähige Ausgaben“ (insbesondere Planungs- und Baukosten, ohne Finanzierungskosten, Versicherungen, Steuern) in Höhe von 42 Millionen Euro. Niedersachsen hilft mit 5, der Bund mit 12 Millionen Euro. Die Investitions- und Förderbank Niedersachsen NBank bewilligte ein Darlehen über 32 Millionen Euro. Die restlichen Kosten trägt der Landkreis.

Wie groß ist das finanzielle Risiko für den Landkreis? 

Landrat Dr. Heiko Blume bezeichnet das finanzielle Risiko als „sehr überschaubar“. Sollten sich weniger als 60 Prozent der potenziellen Nutzer in einem Cluster nicht für einen Anschluss bei der LüneCom entscheiden, würde hier eben auch nicht gebaut – und die Gesamtkosten sinken.

Und die Kosten für die Hauseigentümer?

 Sie zahlen keine Hausanschlusskosten, sofern in der Vorvermarktungsphase der Vertrag mit der LüneCom geschlossen wird.

Kann man nachrüsten? 

Entscheidet man sich zunächst gegen einen Anschluss bei LüneCom, das Netz kommt aber dennoch in dem Cluster, in dem man wohnt, kann man sich nachträglich anschließen lassen – auf eigene Rechnung. Der Landkreis beziffert die durchschnittlichen Kosten mit 1700 Euro.

Und die Telekom?

Die Telekom tritt entgegen vorherigen Aussagen doch in Teilen der unterversorgten Gebiete als Wettbewerber an. Sie verspreche, so Blume bei der Übergabe des Zuwendungsbescheides des Landes Niedersachsen durch Wirtschaftsminister Olaf Lies am Mittwoch, Verbindungen bis 100 Mbit/s. Blume und Lies übten Kritik am Vorgehen des Unternehmens. Auch wurde gesagt, dass das Leistungsversprechen nicht immer gehalten werden könne – und ohnehin unter der des Glasfasernetzes des Kreises liege.

Was ändert sich für Unternehmen und Haushalte, die nicht in den bisher unterversorgten Gebieten liegen?

 Zunächst einmal nichts. Hier folgt der Ausbau des Internets weiter den Marktmechanismen. Aber auch hier kann die LüneCom als Pächter des Landkreis-Netzes künftig Anschlüsse anbieten. Allerdings müssten die Anschlusskosten von der LüneCom oder Unternehmen, beziehungsweise Privathaushalten gestemmt werden, die an die Leitungen des Landkreises angeschlossen werden wollen.

Wo kann ich mich weiter informieren? Bei der Wirtschaftsförderung Uelzen aktiv unter der Rufnummer (0581) 800 4 9 94. Oder auf www.uelzen.de/wirtschaft.

Von Steffen Kahl

 

Kommentare