Schnäppchen allerorten

Mit dem Lesen ist es noch ein wenig schwierig, aber für die Labyrinth-Zeichnung braucht es keine vorlesende Mama.

Uelzen. Als die Stadtbücherei um acht Uhr früh die Tür öffnete, standen die Schnäppchenjäger am Sonnabend schon Schlange. Der alljährliche Bücherflohmarkt lockte mit prall gefüllten Tischen und wirklichen Schnäppchen.

„Das sind hier keine Bücher, die wir aussortiert haben“, betont Büchereileiterin Friedhilde Weddrin. „Das sind alles Spenden für die Bücherei, die wir übers Jahr gesammelt haben.“

Je Buch zahlt der Bücherjäger heute 50 Cent, eine CD ist für einen Euro zu haben, die gute alte Kassette für 50 Cent, und wer 20 Cent pro Zeitschrift zahlen soll, überlegt auch nicht lange, ob er einen ganzen Jahrgang der „Monumente“ mitnehmen soll.

Statt Mistwetter, wie der Schirm behauptet, gab es Sonne satt. Ziemlich gute Laune hatten denn auch diese drei Flohmarkthändlerinnen in der Achterstraße. Fotos: Köhler-Götze

Trotzdem wird nicht wahllos drauflos gekauft. „Irgendwann war der Regalplatz bei mir ausgereizt“, erklärt eine Kundin. „Wenn ich jetzt ein neues Buch kaufe, muss ein altes weichen. Das hebt die Qualität der Bibliothek.“ Gerade hat sie zwei schöne Bände von „Kristin Lavranstochter“ der norwegischen Nobelpreisträgerin Sigrid Undset wieder auf den Tisch zurückgelegt, „nicht nur weil der dritte Band fehlt“. Drinnen fand sie nämlich die Widmung „Auf dass deine Bibliothek wachse“, 1957 offenbar von wohlmeinenden Großeltern eingetragen. „Genau das kann ich nicht brauchen“, sagt die Stöbernde – die dann doch zwei prallvolle Tüten mit Büchern nach Hause entführt.

Viele der Bücher werden gespendet, weil die Bibliothek voll ist oder weil ein Paar zusammenzieht. Da häufen sich dann die Doubletten in den Regalen.

Die Erlöse aus dem Flohmarkt darf die Bücherei für Neuanschaffungen verwenden. „Das ist ein schönes Zubrot“, sagt Weddrin.

Das möchten sich draußen auf dem Flohmarkt in der Fußgängerzone auch viele verdienen. Voll genug ist es auch dort. An vielen Ständen haben die Händler Regenschirme zu Sonnenschirmen umfunktioniert. Zwei benachbarte Flohmarkthändler streiten scherzhaft, wer die hässlicheren Lampen anbietet. Aber es sind auch echte Schätze zu finden, ein Puppenbackofen etwa aus den 60ern. Den habe er selber mal ertrödelt, erklärt der Händler, „weil meine Cousine so einen hatte und mich nicht damit spielen ließ“. Jetzt hat er ihn gehabt, das Kindheitstrauma ist abgearbeitet, jetzt wird der Backofen wieder vertickt.

Nur diejenigen Händler, die heute Bücher anbieten, klagen über schleppende Geschäfte.

Von Jürgen Köhler-Götze

Kommentare