Expertenrunde berät über Zukunft an Gymnasien / Eltern kritisieren Belastungen

Schluss mit Turbo-Abitur?

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Noch in diesem Frühjahr könnten erste Ergebnisse vorliegen, auf deren Grundlage über die Zukunft des Abiturs beraten werden soll.

Uelzen/Landkreis. Der Leiter des Uelzener Lessing-Gymnasiums, Sven Kablau, arbeitet in einem Expertenforum an einer Reform des Abiturs in Niedersachsen mit.

Niklas-Johannes Günther

Noch in diesem Frühjahr könnten erste Ergebnisse vorliegen, auf deren Grundlage über die Zukunft des Abiturs beraten werden soll. Darüber informiert Susanne Schrammar, Pressesprecherin des Niedersächsischen Kultusministeriums, auf AZ-Anfrage. Die Expertenrunde setzt sich aus 20 Vertretern unter anderem von Behörden und Schulen zusammen. An den Gymnasien im Landkreis Uelzen wird das sogenannte „Turbo-Abitur“ nach acht Jahren (G8) diskutiert.

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„Natürlich bedeutet G8 für viele Schüler eine gewisse Belastung“, sagt Dr. Dirk Wübbenhorst, Koordinator am LeG. Eine einheitliche Meinung zu diesem Thema habe er zwar nicht vernommen. Dennoch: „Man hat das Gefühl, eine Entlastung wäre schon eine sinnvolle Maßnahme.“ Seiner Ansicht nach kann diese etwa durch eine Rückkehr zum Abitur nach 13 Schuljahren gegeben werden oder aber mit der Beibehaltung von G8 einhergehend mit anderen Entlastungen für die Schüler.

„Das Grundproblem ist, dass der Lehrplan eins zu eins von G9 übernommen und auf G8 übergestülpt wurde“, kritisiert Dr. Dirk Jaskolla, Schulelternratsvorsitzender des LeG. Durch die höhere zeitliche Belastung bleibe die Teilnahme an Arbeitsgemeinschaften oder am Vereinsleben auf der Strecke. „Das heißt, die sozialen Kompetenzen, die man an anderer Stelle erwirbt, leiden darunter.“

Das bestätigt auch der Vorsitzende des Schulelternrats des Herzog-Ernst-Gymnasiums (HEG), Martin Groffmann, und verweist auf eine Umfrage vom Verband der Elternräte der Gymnasien Niedersachsens, für die auch Elternvertreter am LeG und am HEG befragt wurden. Das Ergebnis: Eine deutliche Mehrheit habe für eine Rückkehr zu G9 gestimmt, sagt Groffmann.

Für Christel Auer, Leiterin der Kooperativen Gesamtschule (KGS) in Bad Bevensen, liegt eine Lösung nicht zwangsläufig bei einer Festlegung auf G8 oder G9. „Vielleicht kann man das individualisieren“, schlägt sie vor, das hieße: Schulen die Möglichkeit geben, beides anzubieten. Auer: „Ich möchte einfach dafür plädieren, nicht alles wieder umzuwerfen.“

Im Jahr 2011 haben die ersten Schüler im Land Niedersachsen ihr Abitur nach verkürzter Schulzeit absolviert. Inzwischen haben andere Bundesländer wieder die Wahlmöglichkeit zwischen G8 und G9 geschaffen.

Dass sich etwas ändern muss, steht auch für die Schülerunion in Uelzen fest. Das erklärt deren Vorsitzender Niklas-Johannes Günther. „Der Stoff muss auf jeden Fall anders aufgebaut oder verkürzt werden“, fordert er. Aus Gesprächen sei deutlich geworden, dass Gymnasiasten stärker „gestresst“ seien. Der Grund: Schulstoff müsse vermehrt zu Hause bewältigt werden.

Zur möglichen Reform des Abiturs möchte Sven Kablau sich auf AZ-Nachfrage nicht äußern, da sich die Expertenrunde darauf verständigt habe, bis zum Abschluss der Beratungen keine Informationen weiterzugeben.

Von Anna Petersen

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