Erste Interessenten

Schloss Holdenstedt als Schnäppchen?

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Zwei Seiten eines historischen Baus: Das Holdenstedter Schloss lädt mit seinem Garten und dem Museum zum Verweilen ein, ist aber auch sanierungsbedürftig: Lange Risse „zieren“ die Fassaden.

Uelzen-Holdenstedt. Es gibt bereits erste Kaufinteressenten. Sie können sich vorstellen, das Holdenstedter Schloss zu erwerben, das nach dem Willen der Politik in den nächsten sechs Monaten „abgeschüttelt“ werden soll.

In der vergangenen Woche war die Entscheidung zum Verkauf gefallen. Was die potenziellen Schlossherren für den historischen Bau berappen müssten, ist Verhandlungssache, so die Stadtsprecherin Ute Krüger – aber ein „höherer sechsstelliger Betrag“ soll die Basis für Verkaufsgespräche sein. Das Schloss als Schnäppchen? Auf einen Käufer kämen an Kosten sicher nicht nur der Betrag zu, den die Stadt haben möchte, sondern auch erhebliche Summen, die in eine Sanierung gesteckt werden müssten.

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Die Schäden sind augenfällig. Lange Risse zeichnen sich an der Fassade ab – das Schloss, salopp formuliert, bricht auseinander. Seit 30 Jahren ist die Stadt Eigentümerin des historischen Baus – weiß genauso lange um die statischen Probleme. Heinrich Heeren war beim Kauf des Schlosses Stadtbaurat in Uelzen und erinnert sich noch an die Untersuchungsergebnisse eines seinerzeit beauftragten Statikers. Das Dilemma liegt im Boden, die „Gründung“ des Baus entspricht, so weiß Heeren zu berichten, nicht den eigentlichen Vorgaben.

Gebaut worden war das Schloss in dieser Form Anfang des 18. Jahrhunderts von der Familie von der Wense und wurde von ihr über Generationen bewohnt, bevor eine anthroposophische Gesellschaft das Schloss erwarb. Als sie Anfang der 1980er-Jahre zahlungsunfähig war, sprang die Stadt ein, kaufte das Schloss. Welcher Betrag damals über den Tisch ging, will die Stadt mit Hinweis darauf, dass es private Beteiligte gegeben habe, heute nicht mehr nennen. Heeren kann sich an ihn nicht mehr erinnern – weiß aber wohl, dass das Problem mit der „Gründung“ noch besteht. Über Jahrhunderte habe das Schloss gestanden, warum nicht auch noch weitere – so sei die Haltung damals gewesen.

Mit einem Käufer hofft die Stadt die Sorge der nötigen Sanierung loszuwerden, allerdings könnte sie auch für die Stadt zum finanziellen Kraftakt werden. Wenn nach Ablauf der sechs Monate kein Käufer gefunden wird, bleibt die Stadt Eigentümerin, so hat es die Politik festgeschrieben. Der Bau ist dann auch instand zu setzten. Allein für ein Gutachten, das den Sanierungsbedarf ermittelt, sollen 100 000 Euro (niedriger sechsstelliger Betrag) in den Haushalt 2015 eingestellt werden – angesichts des Umfangs der Überprüfung, so Bürgermeister Otto Lukat, ein angemessener Betrag.

Die Frage ist, ob es soweit kommt? Die Stadt, kündigte Ute Krüger an, will bei der Vermarktung des Baus auf professionelle Hilfe zurückgreifen und einen Makler beauftragen, der auf den Verkauf besonderer Gebäude spezialisiert ist.

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