Ganztagsschulen: SPD-Ratsherr Jörg Kramer sieht Niedersachsens Regierung in der Pflicht

Schlechte Note fürs Land

+

Uelzen. Für Jörg Kramer, Mitglied der SPD-Fraktion im Uelzener Stadtrat, steht außer Frage: Die Stadtverwaltung hat ihre Hausaufgaben in Sachen Ganztagsschulen erledigt. Aber, so sagt der Sozialdemokrat, ein umfassender Ganztagsunterricht ist dennoch nicht möglich.

Zu diesem Urteil kommt Jörg Kramer auf Grundlage einer fünfseitigen Stellungnahme der Stadtverwaltung als Antwort auf eine von ihm gestellte Anfrage zur Situation der vier Ganztagsschulen in Uelzen.

Unter anderem wollte der SPD-Mann von der Verwaltung wissen, welchen Umfang die Ganztagsangebote haben und unter welchen personellen, finanziellen und räumlichen Bedingungen der Unterricht erfolgt. Das Ergebnis: „Die baulichen und räumlichen Voraussetzungen für den Ganztagsunterricht wurden geschaffen. Rund zehn Millionen Euro hat man dafür auch in die Hand genommen“, sagt Jörg Kramer im Gespräch mit der AZ. Was fehle, seien die finanziellen und strukturellen Voraussetzungen seitens der Landes für einen entsprechenden Unterricht. In der Stellungnahme liest sich dies unter anderem wie folgt: „Die räumlichen Bedingungen am Herzog-Ernst-Gymnasium sind nach dem Umbau gut, ansonsten werden Lehrerstunden im vorgegebenen Rahmen für die Ganztagsangebote kapitalisiert, wobei das Herzog-Ernst-Gymnasium sich bereits am oberen Limit bewegt. Aus der Kapitalisierung finanziert sich der Personaleinsatz, eventuelle Materialkosten werden entweder aus dem Schuletat oder in Einzelfällen durch den Elternförderverein gedeckt.“

„In Sonntagsreden wird die Bedeutung von Ganztagsschulen immer wieder hervorgehoben, aber wenn es um die Umsetzung geht, lässt das Land die Kommunen alleine“, so Jörg Kramer verärgert. Im Hinblick auf die ohnehin geführte Diskussion zu möglichen Schließungen von Schulen in Uelzen wiege die Erkenntnis umso schwerer.

Das Kultusministerium betont auf AZ-Nachfrage den Unterschied zwischen Unterrichtsstunden im Rahmen des Ganztagsangebotes, bei denen Lehrer in der Klasse stehen, und Stunden, für die externe Kräfte beispielsweise von Vereinen gebucht werden. „Lehrkräfte werden natürlich vom Land bezahlt. Was die außerschulischen Fachkräfte betrifft: Alle Schulen in Niedersachsen sind eigenverantwortlich. Im Rahmen dieser Eigenverantwortlichkeit schließen die Schulen Verträge mit externen Mitarbeitern – nach Absprache mit der Landesschulbehörde. Die betreffenden Vorgänge werden in den Schulen vor Ort verwaltet“, so Ministeriumssprecher Roman Haase. Bezahlt würden die Stunden aus dem Budget, das jeder Schule zur Verfügung stehe.

Um die aus der Sicht von Jörg Kramer nicht zufriedenstellende Situation der Ganztagsschulen zu verbessern, will der Ratsherr mit den Elternvertretungen und den Schulen das Gespräch suchen und dabei die Erkenntnisse aus der Stellungnahme der Stadt erörtern. „Der Druck auf das Land muss steigen, damit sich etwas ändert“, erklärt Kramer.

Von Norman Reuter

Kommentare