Uelzener Neurologin hatte sogar schon eine Jugendliche auf ihrer Station

Schlaganfall-Risiko Lifestyle

+
Dr. Ulrike Heesemann ist Chefärztin der Neurologie im Uelzener Helios-Klinikum.

Uelzen. Der Tod des Jazzsängers Roger Cicero hat eine Krankheit in den Fokus gerückt, die eigentlich allgegenwärtig ist: der Schlaganfall. An dessen Folgen starb der Künstler Gründonnerstag im Alter von 45 Jahren.

Nach Krebs- und Herzerkrankungen ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache in Deutschland, so die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Dass der Schlag auch relativ junge Menschen treffe, sei beileibe keine Seltenheit. „Dennoch sind ältere Menschen unter unseren Schlaganfall-Patienten nach wie vor in der Mehrheit“, sagt Dr. Ulrike Heesemann. Die Medizinerin ist Chefärztin der Neurologie am Uelzener Helios-Klinikum.

Jedes Jahr erleiden rund 9000 bis 14  000 Bundesbürger unter 50 Jahren einen Hirnschlag, so die Stiftung auf ihrer Internetseite. „Ich kann mich an eine 19 Jahre alte Jugendliche mit einem Schlaganfall erinnern, die wir behandelt haben“, sagt Heesemann. Die Ursachen seien oft vielfältig. Ulrike Heesemann fasst sie unter dem Begriff Lifestyle zusammen. „Es gibt unter jungen Menschen Tendenzen, weniger Sport zu treiben“, sagt sie.

Auch häuften sich bei Menschen in jüngeren Jahren Diabetes-Erkrankungen. Hinzu kämen die üblichen Risikofaktoren wie das Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum oder auch Übergewicht.

Weit weniger bekannt sei, dass eine Depression ein ganz eigener Risikofaktor sei, so die Uelzener Neurologin. Nah an einer Depression sei der sogenannte „Burn out“. Roger Cicero hatte Ende vergangenen Jahres aufgrund eines akuten Erschöpfungssyndroms seine Konzerttermine absagen müssen. „Schlaganfälle, die auf Depressionen zurückzuführen sind, fallen ausgeprägter aus als jene, die beispielsweise aus Zigarettenkonsum resultieren“, weiß Ulrike Heesemann.

Auf gar keinen Fall zu unterschätzen seien genetische Vorbelastungen. „Wer in seiner Familie Angehörige durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Schlaganfälle verloren hat, sollte für sich ein so genanntes Risikoprofil erstellen lassen“, rät die Ärztin. Und erst recht auf genügend Bewegung und den Verzicht von Tabakwaren achten.

Von Jens Schopp

Lesen Sie am Donnerstag mehr dazu im E-Paper und in der Printausgabe der AZ.

Kommentare