Von Woche zu Woche

Die Schimmel-Posse von Bodenteich

Es gibt manche Nachrichten, die sind so skurril, dass man einerseits schmunzelnd, andererseits ungläubig mit dem Kopf schüttelt. Bad Bodenteich liefert in diesen Wochen so eine Geschichte aus dem Bereich Slapstick.

Über Jahre hat man das Schützenhaus vergammeln lassen, jetzt ist es eine vergiftete Bruchbude, die man nur noch mit Atemschutz und Vollschutzanzügen betreten darf. Und während offenkundig ist, dass die Abrissbirne die einzige Lösung ist, versucht die für den Gammel verantwortliche CDU des Fleckens krampfhaft den Schein zu wahren und will unter keinen Umständen eingestehen, dass sie die Sache verbockt hat. Wie groß muss der Realitätsverlust bei den Christdemokraten im Süden des Kreises sein, dass man stur weiter behauptet, es gebe noch Hoffnung, irgendeinem Investor dieses verseuchte Gebäude andrehen zu können?

Doch dass Kommunalpolitiker versuchen, der Bevölkerung etwas vorzumachen, ist so selten ja nun nicht. Doch so ein Schmoren im eigenen Saft, das den Blick auf die Realität offenbar trübt, wirft auf Dauer weitreichendere Fragen auf. Nämlich eine, die in Teilen des Kreises Uelzen ja schon länger diskutiert wird: Brauchen wir überhaupt noch in jedem Dorf, in jeder Ortschaft einen eigenen Rat, der dann solche Stilblüten produziert?

Eines sei hier betont: Die große Masse der Kommunalpolitiker leistet engagierte und uneigennützige Arbeit, über Parteigrenzen hinweg. Doch Fakt ist auch, dass diese kleinen Räte in Zeiten leerer Kassen immer weniger bewegen können. Die Zahl der Kreis-Uelzener geht konstant zurück, Prognosen zeigen, dass dieser Abwärtstrend sich fortsetzen wird. Da muss man sich die Frage stellen, wie in den Gemeinden noch effektiv gearbeitet werden kann. Als Beispiel wie es gehen könnte gilt Bienenbüttel, dort funktioniert das Prinzip der Einheitsgemeinde tadellos.

Und – auch dieser Aspekt darf nicht aus den Augen verloren werden – eine solche Einheitsgemeinde statt der kleinen Ortsräte würde gewaltig Kosten sparen. Für das Gebiet der Samtgemeinde Aue rund 100 000 Euro im Jahr, hat man bei der SPD und ihren Gruppenpartnern errechnet – allesamt Befürworter einer Einheitsgemeinde. Da hätte man ganz nebenbei in knapp drei Jahren das Geld zusammen, um das Schützenhaus abzureißen.

Doch gegen eine Einheitsgemeinde ist ausgerechnet – die CDU im Flecken Bad Bodenteich. Und kämpft unverdrossen um ihr verseuchtes Gebäude. Die wahren Beweggründe mag man nur vermuten, womöglich ist es eine Mischung aus Klüngel und dem eher peinlichen Versuch, eigene Fehler unter das verschimmelte Parkett zu kehren. Effektiver kann man keine Selbstdemontage betreiben – auch für die kleinen Ortsräte.

Von Thomas Mitzlaff

Rubriklistenbild: © Koller

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