Neue EU-Vorgabe könnte das Aus vor allem von kleinen Betrieben bedeuten

Schausteller unter Druck

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Fahrgeschäfte – wie zum Beispiel das Kettenkarussell – sollen künftig strengeren statischen Auflagen unterliegen – für viele Schausteller könnte dies das Aus bedeuten.

dpa Hannover/Uelzen. Krake, Kettenkarussell und Riesenrad könnten auf Volksfesten bald der Vergangenheit angehören. Denn wegen einer neuen Sicherheitsvorgabe der EU befürchten einige Schausteller das Ende traditioneller Jahrmärkte.

Nach der neuen Regelung sollen Berechnungen der Statik etwa belegen, dass bestimmte Fahrgeschäfte wie Kettenkarussells künftig Personen mit einem durchschnittlichen Körpergewicht von 100 Kilogramm tragen können – statt wie bisher nur 75 Kilogramm.

„Das kommt einer Neuabnahme der Fahrgeschäfte gleich und könnte für viele Traditionsunternehmen das Aus bedeuten“, sagt Benno Fabricius, Vorsitzender des Schaustellerverbandes Lüneburg und Umgebung. Viele Kollegen hätten ihre Fahrgeschäfte schon ins Ausland verkauft.

Vor allem in ländlichen Regionen behielt man die traditionellen Märkte bei, um Unterhaltung zu bieten, wie Andreas Matuschak erklärt. Er organisiert im Jahr rund 250 Volksfeste in Norddeutschland, unter anderem auch in Uelzen.

Aber etwas hat sich verändert: „Wir haben vor fünfzehn Jahren noch rund 12 000 Volksfeste gehabt, jetzt sind es noch 10 000“, sagt Frank Hakelberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Schaustellerbunds. Wegen der großen Volksfeste und Freizeitparks hätten kleinere ländliche Jahrmärkte einen Teil ihrer Anziehungskraft eingebüßt, weiß auch Uelzens City-Manager Joachim Lotz.

Und jetzt die neue EU-Norm: Die Ursprungsfassung sah einen Schutz für bestehende Anlagen vor – die 16 Bau-ministerien in Deutschland haben ihn aber verneint. Niedersachsens Landtag hat die rot-grüne Landesregierung indes zur Sicherung der Volksfestkultur aufgefordert: Es müsse bundesweit einheitliche Regelungen für die Schausteller und eine Sicherung des Alt-Bestands geben. Die Kosten müssten zudem bezahlbar bleiben, heißt es in einem FDP-Antrag, der gestern von allen Parteien gebilligt wurde.

Es drohe ein „deutscher Exportschlager“ wegzubrechen, warnt Matuschak: „Veranstalter aus der ganzen Welt bestellen ganze Ausstattungen für ihre Feste, weil sie glauben, dass keiner schönere Volksfeste organisieren könne als Deutschland.“ Vor allem der deutsche Weihnachtsmarkt ist zu einem Wirtschaftsfaktor geworden und erfreut sich auch im Ausland ungebrochener Beliebtheit.

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